Ruhrtriennale: Gipfeltreffen der Künste

Stifters Dinge | Foto: Ewa Herzog

800 internationale Künstler bestreiten das Programm

Oh, jetzt habe ich wohl ein wenig überzogen“ entschuldigt sich Heiner Goebbels mit Blick auf die Uhr am Ende der Programm-Pressekonferenz der Ruhrtriennale in Duisburg. Der Intendant hat aber in der Kraftzentrale des Landschaftspark Nord sogleich die Begründung parat: „Es gibt keinen Tag, an dem nichts los ist!“

In seinem zweiten Jahr der Ruhrtriennale-Leitung hat es sich Goebbels zur Aufgabe gemacht, den „Weg, den wir begonnen haben, mit vielen internationalen Künstlern weiterzugehen. Ein besonderer Schwerpunkt wird auch der Tanz, aber vor allem die Bildende Kunst sein.“ Letztgenannte findet sich im Programm u. a. in Form der audiovisuellen Installation „test pattern“ des Japaners Ryoji Ikeda in der Kraftzentrale und der Arbeit „Nowhere and Everywhere“ von William Forsythe im Essener Folkwang Museum wieder. Das Festival macht sich im Vorfeld jedenfalls nicht kleiner, als es ist und lädt selbstbewusst zum „Gipfeltreffen der Künste“.

Weitere Highlights: Die britische Triphop-Legende Massive Attack kommt zu drei Konzerten am 29., 30. und 31. August (den einzigen in Deutschland in diesem Jahr) in die Kraftzentrale. Allerdings stehen nicht die bekannten Hits der Band auf dem Programm, sondern spezielle Kompositionen zu Dokumentarfilmen von Adam Curtis. Ebenfalls stets schnell ausverkauft – der Vorverkauf hat heute begonnen – sind Inszenierungen von Robert Wilson. Der Meister des Lichts und der Langsamkeit widmet sich in der Bochumer Jahrhunderthalle Helmut Lachenmanns Oper „Das Mädchen mit den Schwefelhölzern“ (14., 18.–20., 22.9.).

Intendant Heiner Goebbels inszeniert nicht nur in Bochum die Eröffnung mit der europäischen Erstaufführung von Harry Partchs „Delusion Of The Fury“ am 23. August, sondern ist dieses Jahr auch mit einem eigenen Werk vertreten. „Stifters Dinge“ ist ein Theaterkonzert ohne Darsteller und Musiker. Fünf mechanisch betrieben Klaviere, Vorhänge, Beleuchtung und Bühnentechnik werden vom 21.9 bis 6.10. in der Kraftzentrale zu den Hauptpersonen.

Als neue Konzert-Spielstätte konnte die Maschinenhalle auf Zeche Zollern in Dortmund gewonnen werden. Unter der Federführung des ChorWerk Ruhr, dessen künstlerischer Leiter Florian Helgath vom Aufführungsort schwärmt: „Eine Akustik, die der einer Kathedrale gleicht“, kommt der Zuschauer am 28.+29.9. hier in den Genuss von Werken von Arvo Pärt und John Tavener.

Prädestiniert, dem Anspruch von Heiner Goebbels, „den Zuschauer in die Mitte zu rücken“ und möglichst „nicht von einer Bühne herab“ zu agieren, gerecht werden ist einmal der diesjährige Beitrag der Urbanen Künste Ruhr. Die Installation „Tower“ ist eine von der Londoner Gruppe rAndom International konzipierte begehbare Skulptur. Zu erleben auf dem Gelände der Zeche Zollverein. Vielversprechend und herausfordernd klingt zudem die Arbeit des Rimini Protokoll, deren Mitglieder ab dem 23.8. in Bochum in eigens erbaute „Situation Rooms“ einladen.

Ergänzt wird das Angebot der Ruhrtriennale 2013 schließlich u. a. noch mit „tumbletalks“, in denen jeweils zwei Künstler miteinander ins Gespräch kommen, einer „freitagsküche“ sowie der „No Education“-Sparte, zu der auch in diesem Jahr wieder die Festivaljury aus Kindern und Jugendlichen gehört, die am Ende die The Children´s Choice Awards vergibt.