Podcastpoesie: Online verdichtet

Zerbolesch | Foto: derather

Podcastpoesie! Das ist pure Literatur. Slam Poetry gegen jede Regel. Mal einsam, mal musikalisch. Mal lustig, mal zum Ritzen. Mal nachdenklich, mal dadaistisch; aber immer voll auf die Ohren.“ So ist das Projekt auf der eigenen Seite podcastpoesie.de umschrieben. Federführend ist unter anderem der Wahl-Wuppertaler mit dem Künstlernamen Zerbolesch. Jörg Degenkolb hat ihm einige Fragen gestellt.

Was genau ist podcastpoesie.de?

Podcastpoesie.de ist ein als Poetry-Slam-Podcast gestartetes und inzwischen zum Literaturpodcast ausgebautes, partizipatives Projekt. Das bedeutet, dass theoretisch jeder, der imstande ist, etwas zu Papier zu bringen, sich an der Nummer beteiligen kann.

Was will Podcastpoesie?

Der Grundgedanke war zu Beginn der, Slammern eine Plattform zu bieten, sich über die üblichen Slam-Regeln hinaus – also fünf bis sechs Minuten Zeitrahmen, keine Requisiten, keine Musik – zu entfalten. Bei mir zum Beispiel ist es so, dass meine Geschichten und Gedichte immer länger werden. Was im Umkehrschluss bedeutet, dass ich immer mehr kürzen muss, wenn ich meine Texte dem Slam-Publikum näherbringen will. Ergo bremse ich mich selber immer weiter aus, indem ich mich für den Poetry Slam und seine Regeln beschneide. Und die Tatsache, dass ich mit diesem Problem nicht alleine stehe, schreit regelrecht nach einer Veröffentlichungsalternative. Und für diese Aufgabe bietet sich ein Podcast geradezu an. Hier haben wir die Möglichkeit, eine in die Jahre gekommene Kunstform über ein neues Medium einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Natürlich gibt es YouTube und hier etliche Poetry-Slam-Videos. Aber die beinhalten schon wieder die Umsetzung der Regeln. Von der Qualität mancher Videos mal ganz abgesehen. Mit Podcastpoesie haben wir uns die Möglichkeit geschaffen, auch mal Neues zu probieren. Lyrik mit Atmo zu versehen, Hörbücher umzusetzen, Kurzgeschichten musikalisch auszumalen oder auch Poetry Clips zu produzieren, was wir mit „Afterhour“ bereits begonnen haben. Kurz: Podcastpoesie will die Literatur auf die nächste Ebene schieben.

Hörprobe:

Sascha Thamm – Talsperre – oder – learning by burning


Wer ist Zerbolesch?

Hank Zerbolesch ist Initiator und – neben Johannes Floehr, Lisa Schøyen und Michel Kühn – inzwischen ein Viertel des Projektes. Er ist freier Autor, Poetry Slammer, Kolumnist, Punkrocker und Feierfritte a. D. Vor einigen Jahren aus dem schönen Düsseldorf nach Wuppertal ausgewandert, lebt, schreibt und trinkt er zur Zeit über den Dächern der Nordstadt.

Wohin geht (hoffentlich) die Reise?

Große Veranstaltungen werfen ihre Schatten auf den Wuppertaler Sommer, für den wir unter anderem eine multimediale Vernissage planen. Und ein Event, dass sich „Poesieguerillas“ nennen wird. Ziel dieser Events wird es sein, den Menschen die Literatur – und hier besonders die Lyrik – wieder ein Stück weit näherzubringen. Außerdem sind neue Poetry Clips und ein Hörbuch in Planung.

Ansonsten suchen wir zur Zeit noch jemanden, der mit uns eine Podcastpoesie-CD produzieren und vertreiben würde. Alles andere lassen wir einfach mal passieren und schauen, wohin die Reise geht …

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