Netzwerk X: Die 300.000 Euro Frage

Leerstandsbelebung in Oberhausen | Foto: Michael Blatt

Rückblende, Januar 2011: Im wohlig warmen Mülheimer Kunstmuseum Alte Post haben die RuhrKunstMuseen zum Empfang geladen. Es geht um die Frage, was mit den dem Ruhrgebiet jährlich zur Verfügung stehenden 4,8 Millionen Euro geschehen soll, um längerfristig vom Jahr der Kulturhauptstadt zu profitieren.

Zur gleichen Zeit agiert nur neun Kilometer entfernt die Essener Freiraum-Initiative frierend in der entweihten Lukaskirche, um diese in einem Zwischennutzungsprojekt mehrere Monate mit Kunst & Kultur zu bespielen. Um die Räumlichkeiten zu beheizen, fehlt den jungen Aktivisten schlicht das Geld.

Zwei Jahre später gehört Freiraum zum rund 30 Gruppen umfassenden Netzwerk X. Der Zusammenschluss will mit einer gemeinsamen Stimme darauf aufmerksam machen, dass große Teile der freien Kunst- und Kulturszene des Ruhrgebietes weiterhin von vorhandenen Fördertöpfen abgenabelt sind. Die Gründe dafür sind vielfältig und letztlich nicht eindeutig zu klären. Sind die Ansichten der jungen Generation womöglich zu unbequem für das Establishment, fehlt es an den nötigen Kontakten zu Politik und Verbänden, oder passen die Akteure schlicht nicht in die gängigen Fördervergaberichtlinien?

„Man ist nicht deshalb als Künstler angetreten, um 90 Prozent seiner Arbeitszeit mit Anträgen zu verbringen“

, so Netzwerk X-Mitstreiter Stefan Schroer vom Verein Theater Arbeit Duisburg. Diese Aufgabe will das Netzwerk X übernehmen. Doch dafür bedarf es eines festen Etats. Die dann vorhandenen Mittel sollen basisdemokratisch und unbürokratisch an Künstler weitergegeben werden. Zudem soll das eigene Format PIKS (Projekte und Initiativen – Kunst und Soziales) dazu dienen, ganz im Sinne der vom Regionalverband Ruhr (RVR) und dem Land NRW gepflegten postkulturhauptstädtischen Nachhaltigkeitsarchitektur Workshops anzubieten, einen regionalen Leer- und Vollstandsmelder zu betreiben, ein Festival mit dem Titel „Kunst und Soziales im Ruhrgebiet“ zu organisieren und eine „Recht auf Stadt“-Konferenz mitzugestalten. Kostenpunkt: jährlich 300 000 Euro. Doch woher das Geld nehmen? „Wir verweigern uns konkreten Vorschlägen“, betont Stefan Schroer. Dadurch soll vermieden werden, anderen Förderprojekten, etwa aus dem 4,8 Millionen-Euro-Topf, ein Stück vom Kuchen abzujagen. Stattdessen wirbt das Netzwerk für eine generelle Aufstockung des Nachhaltigkeitsetats auf 5,1 Millionen Euro.

Fakt ist, günstiger bekommt das Ruhrgebiet eine flächendeckende Belebung der nachwachsenden freien und vielfältigen Kulturszene nicht realisiert, und so stehen potenzielle Förderer jetzt vor der Wahl: Heizkosten übernehmen oder sich womöglich mit einer kulturellen Eiszeit arrangieren.

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