Kunze, Nietzsche und die stillen Tage

Michael Kunze: Schwarzorange II; 2011 | Foto: Jochen Littkemann / Courtesy Contemporary Fine Arts, Berlin

Man könnte darüber diskutieren, ob es sinnvoll ist, einer Ausstellung den Titel „Die Halkyonischen Tage“ zu geben. Um auch nur den Hauch einer Chance zu haben, die Begrifflichkeit „Halkyonisch“ zu kennen, muss man wohl mindestens eine humanistische Lehranstalt hinter sich gebracht haben. coolibri-Leser haben es auch hier besser, denn ihnen wird die Welt, in diesem Fall die der Kunst, erklärt. Stelle mir uns also mal janz dumm …und fangen mit Friedrich Nietzsche an.

Der wurde häufig von Kopfschmerzen geplagt. Manchmal aber hatte der Philosoph Glück. Dann linderte die Höhenluft der Engadiner Berge sein Leiden, die Hämmerchen im Haupt standen still. Jene Momente nannte Nietzsche die „Halkyonischen Tage“, was aus dem Griechischen übersetzt so viel bedeutet wie „Tage der Ruhe“. Wörtlich meint Halkyon übrigens die Brutzeit des Eisvogels. So weit zum Titel.

Der Künstler, zu dem der erklärungsbedürftige Ausstellungstitel gehört, heißt übrigens Michael Kunze. Das kann man sich schon eher merken. Kunze wurde im Jahr 1961 in München geboren, studierte an der dortigen Akademie der Bildenden Künste und lebt heute in Berlin. Seine Malereien, die ab dem 6. April die Düsseldorfer Kunsthalle füllen, stecken voller literarischer, philosophischer, kunst- und architekturhistorischer Reflexionen. Er überführt diese in rätselhafte, irrational anmutende Szenerien, architektonische Konstrukte oder utopische Landschaften. Die Ausstellung in Düsseldorf präsentiert Arbeiten aus den vergangenen 20 Jahren. Immer wieder malt Kunze architektonische Kompositionen unter einem bewölkten Himmel, die in theatralisch inszeniertes, mediterranes Licht getaucht sind. Auffällig sind auch die vielschichtigen Kontraste auf inhaltlicher und formaler Ebene. Fragmente moderner und vormoderner Baukunst treffen bei Kunze aufeinander. Welche Rolle genau der Eisvogel dabei spielt, blieb im Vorfeld der Schau im Dunkeln, kann aber sicher vor Ort geklärt werden.

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