Interventionen - Stadt für alle

Zeit für Interventionen? | Foto: Michael Blatt

Ob München, Athen oder Tel Aviv, weltweit protestieren Menschen in aller Regelmäßigkeit gegen Sozialkürzungen, Mietwucher und Privatisierung öffentlichen Eigentums. Hintergrund: „Städte agieren zunehmend wie Unternehmen“, wie Stadtsoziologe Andrej Holm Mitte März zum Auftakt der Veranstaltungsreihe „Interventionen – Stadt für alle“ im Bochumer Bahnhof Langendreer anführt.

Die Organisatoren hatten Holm als Impulsgeber eingeladen, um zunächst zusammenzufassen, was sich hinter der Parole „Recht auf Stadt“ verbirgt, und ob das Erstreiten dieses Recht im Ruhrgebiet überhaupt erstrebenswert bzw. notwendig ist. Denn im Gegensatz etwa zum Gängeviertel in Hamburg und den Berliner Ortsvierteln Kreuzberg und Neukölln gibt es in der hiesigen Region nur ganz vereinzelt, wie zum Teil in Dortmund-Hörde am Phoenix-See, Anzeichen von Gentrifizierung, heißt von Mietpreisexplosionen und der Verdrängung ganzer Bevölkerungsschichten aus einem Stadtteil.

Millioneninvestitionen in Prestigeprojekte werden allerdings auch im Ruhrgebiet kritisch beäugt. Sei es die Umwandlung des Dortmunder U-Turm in ein Kunst- und Kreativzentrum oder der anstehende Bau des Bochumer Musikzentrums. Ein anderer Streitfall: die Ansiedlung von Einkaufszentren in Innenstädten, wogegen Kritiker anführen, dass sich dadurch immer mehr öffentliches Leben in privatwirtschaftliche Bereiche verlagere.

Andrej Holm mahnt in diesem Sinne ganz generell vor einer „postpolitischen Stadt“, in der eine Herrschaft der Expertokratie, die Entpolitisierung der Stadtpolitik und die Pazifizierung von Protesten – Stichwort: Runde Tische – zu beobachten sei. Wer sich hier als Bürger übergangen fühle, müsse aber, um ein Recht auf Stadt für sich proklamieren zu dürfen, vor allem eins zeigen: Eigeninitiative! Holm: „Alles muss man selber machen.“

Die Initiatoren der Reihe „Interventionen – Stadt für alle“ wagen im April die nächste Schritte. Am 9.4. geht es im Bochumer Alsenwohnzimmer um das Thema Urban Gardening, dessen sozialpolitische Relevanz einem Gast der Auftaktveranstaltung zumindest fragwürdig erscheint. Sein Kommentar: „Eine Spielwiese für Mittelstandskids“. Mindestens gute Unterhaltung verspricht dagegen der kritische Stadtrundgang am 28.4. durch das Bermudadreieck mit Kassierer-Sänger und Lokalpolitiker Wolfgang Wendland sowie Raumplaner Arnold Voss, sind beide doch als Anhänger einer gepflegten Streitkultur bekannt.

Interventionen – Stadt für alle“:

  • Urban Gardening mit Ella von der Haide: 9.4. (18 h) Alsenwohnzimmer, Alsenstr., Bochum
  • Mehr als ein Viertel – das Gängeviertel in Hamburg: 20.4. (18 h) Alsenwohnzimmer, Bochum
  • Kritischer Stadtrundgang: 28.4. (15 h) Bermudadreieck, Bochum

Infos auf interventionen.org

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