Götz Diergarten: Ästhetik des Profanen

Götz Diergarten: o. T. (Winnweiler 5), 1998 – aus der Serie „Fassaden“ | Foto: Götz Diergarten, courtesy: Galerie Kicken, Berlin

Bekanntlich ist ja alles eine Frage der Perspektive: Man kann an einem schlichten Haus einfach vorüber gehen und dabei vielleicht noch wahrnehmen, dass es genauso bedauernswert grau ist wie die anderen. Man kann es aber auch im Detail betrachten und in seinem „Gesicht“ grafische Strukturen und besondere Symmetrien entdecken. So macht es jedenfalls der Fotokünstler Götz Diergarten, vom dem einige Arbeiten derzeit im Duisburger Museum DKM zu sehen sind.

Der Titel der Ausstellung „Das Besondere im Banalen“ könnte kaum treffender sein. Denn auf den Bildern des 1972 in Mannheim geborenen Künstlers finden sich weder spektakuläre Prachtbauten noch effektvolle Panoramen, sondern alltägliche Architekturen und einfache Bauelemente, die auf bemerkenswert unaufdringliche, geradezu stille Weise eine Ästhetik des Profanen offenbaren.

Die Schau konzentriert sich auf die Werkreihen „Fassaden“ (1995–2001), „Nowa Huta“ (2010/11), „Bützow“ (2011/12) und „Duderstadt“ (2012), wobei insbesondere die Arbeiten des Frühwerks die verborgenen Facetten des Gewohnten aufdecken und wie abstrakte Kompositionen aus Farbflächen und Linien wirken.

Unübersehbar verweisen diese „Typologien der Alltagsarchitektur“ durch ihren zentralisierenden Bildaufbau, ihre Serialität und dokumentarische Objektivität auf die kompositorischen Prinzipien der Industrie-Typologien Bernd Bechers, bei dem Diergarten von 1993 bis 1998 studierte. Doch wie bei anderen berühmten Vertretern der Düsseldorfer Schule auch (z. B. Candida Höfer, Andreas Gursky oder Thomas Ruff), sprechen seine Bilder, die ohne technische Nachbearbeitung auskommen, eine eigene, nahezu malerische Sprache.