Dogma 2.0: Das Fest

| Foto: Birgit Hupfeld

1995, zum 100. Geburtstag des Film, sorgte im Kino eine neue dänische Welle für unschöne Szenen und aufregende Filme: Dogma 95. Handkamera, kein künstliches Licht, keine Morde, keine Spezialeffekte und kein Regisseur im Abspann. Thomas Vintenbergs „Das Fest“ markierte 1998 gleichzeitig Auftakt und Zenith der Bewegung, die dann 2005 wieder für beendet erklärt wurde.

Jetzt gibt’s in Dortmund ein Update: Dogma 2.0 bzw. 2013, eine Fortführung und ironische Brechung mit den Mitteln des Theaters. „Kinder gehören nicht auf die Bühne. Gutes Theater ist immer Kindertheater“, heißt es da, und: „Die Dreharbeiten dürfen nur dort stattfinden, wo die Zuschauer anwesend sind.“

Christian (Sebastian Kuschmann) kommt zum 60. Geburtstag seines Vaters heim und hält eine Rede. Vater Helge (Andreas Beck) habe früher gern gebadet, und das am liebsten handgreiflich mit ihm und seiner kleinen Schwester. Seine Mutter wusste davon. Seine Schwester hat sich umgebracht. Die Anschuldigungen perlen zunächst an der Gesellschaft ab, doch die Fassade beginnt zu bröckeln.

Vintenbergs „Das Fest“ wird auf der Bühne gespielt (Bearbeitung: Alexander Kerlin), nach Dogma-2013-Regeln verfilmt und gleichzeitig projiziert. „Das Kameraauge hält niemals still.“ Technischer Schnickschnack, gewiss, und jede Menge Bühnen-Flimflam („Das Leben ist hart, die Kulissen weich!“), durchaus auch um ihrer selbst und um des Dogmas willen. Allerdings, das großartige Ensemble spielt all dies und auch das weiterhin bedrückende Textbuch so großartig an die (Lein-)Wand, dass der Spagat zwischen Fest und Manifest, zwischen Bühne und Film sowie zwischen Close-up und Panorama über die gesamte Strecke fesselt.

„Der Name des Regisseurs darf nie in Vergessenheit geraten“, heißt es im letzten Punkt des Dortmunder Dogmas. Geschenkt, er heißt Kay Voges.

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