Deutsch-indische Freundschaft: Don’t Ask, Don’t Tell

| Foto: Anshuman Sen

Immer wieder thematisiert der in Düsseldorf beheimatete Choreograf Ben J. Riepe in seiner Arbeit das endlose Feld menschlicher Beziehungen. Er sucht und offenbart die emotionalen Facetten, die unter unserer zwangszivilisierten und entsprechend gebändigten Alltagsattitüde verborgen liegen. In starken, teils provokativen und ironisch gebrochenen Bildern attackiert er gerne und radikal konventionelle Wahrnehmungsweisen klassischer Schönheit.

2009 gastierte der mit der Spitzenförderung des Landes NRW ausgezeichnete Riepe mit seiner Compagnie in Indien. Gezeigt wurde „Liebe. Tod. Teufel – das Stück“. Dabei lernte der ehemalige Pina-Bausch- und V.A-Wölfl-Tänzer den Performer, Choreografen und Yoga-Spezialisten Navtej S. Johar kennen, der zu den Vorreitern des Tanzes in Indien zählt und in seinen Stücken Tradition und Avantgarde verbindet. Im Rahmen eines intensiven Austauschs über ästhetische Konzepte entstand das gemeinsame Stück „Don’t Ask, Don’t Tell“, das nach einer Indien-Tour und seiner Deutschland-Premiere im Rahmen des Stuttgarter Theaterpreises nun erstmals in NRW zu sehen sein wird.

Vier internationale Tänzer im sportiven Tennis-Dress untersuchen die Möglichkeiten, sexuelles Verlangen auf der Bühne zu visualisieren und daraus eine „Anatomie der Erotik“ zu gestalten. Wie war die Liebe früher, wie fühlt sie sich heute an? Der Herzschlag beschleunigt sich. Ein stilisierter Paartanz entsteht. Hinterfragt wird eine Melodie im Gay-TV. Im Spotlight der Taschenlampen wird ein bizarrer Selbstbefriedigungsakt ausgeleuchtet. Dabei werden mit starkem Fokus auf die Individualität der Performer ebenso stereotype Elemente des indischen und zeitgenössischen europäischen Tanzes wie kulturell bedingte Grenzen der Darstellungsformen offenbart. Der portugiesische Musiker João Bento und die Sufi-Sängerin Rekha Raj gestalten den Soundtrack zu diesem tanztheatralischen Projekt.

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