Reise ins Wunderland: Faust I in Oberhausen

Faust taucht ein ins mediale Wunderland. | Foto: Klaus Fröhlich

In Oberhausen befindet sich Faust im medialen Wunderland. Das macht Spaß, wird aber nicht jedem gefallen.

Flammengesäumte Treppen führen auf mehrere Plattformen, über eine Rutsche wiederum geht es sekundenschnell nach unten. Einen knallig bunten Abenteuerspielplatz hat Bühnenbildnerin Janina Audick für die Drehbühne konstruiert, die verwinkelten Kulissen erstrahlen in kaltem Neonlicht. Auf einer Seite liegt Gretchens Zimmer, dekoriert mit riesigen roten Herzen, an den Wänden prangt hundertfach das Gesicht ihres zukünftigen Geliebten Heinrich Faust. Gegenüber, im Märchenblumenwald, wird sie ihm die entscheidende Frage stellen: „Sag, wie hast Du’s mit der Religion?“

Die verschachtelte Szenerie dient meist als Filmset, im inneren Labyrinth irren die Figuren umher, verfolgt vom Kameramann (Jan Krämer), der die Gesichter riesig groß auf die seitliche Vorderbühne projiziert. Es entstehen monströse Einblicke in geweitete Augen, aufgerissene Münder. Die Balance zwischen Kamera-Aktionen und den statischen Dialogen an der Rampe ist perfekt austariert.

Verführer und Verführter

Feuerblitze, Nebel, gleißendes Licht – Fausts Höllentrip ist voller Magie und Wahnbilder. Er ist ein Suchender, Michael Witte zeigt ihn als kühlen Denker, als Angstgetriebenen, manchmal als protzigen Angeber. Er ist Verführer, aber auch ein von dunklen Mächten Verführter. In Mephistopheles findet Faust seine Chance, zum Kern der Existenz vorzudringen – doch auch in der atemlos spannenden Inszenierung von Pedro Martins Beja findet er keine Erlösung.

Aufgepeppt mit schlüpfrigen Andeutungen drücken die fünf Schauspieler dem Text so manche Derbheit auf. Fabelhaft komisch, wie Anja Schweitzer ein halbes Dutzend Rollen umsetzt. Jürgen Sarkiss gibt seinem Mephisto wütende, schmeichelhafte und penetrant nervige Züge. Die sündige Verwicklung zwischen Faust Mephisto und Gretchen (Lise Wolle) wird als großformatige Kamerafahrt visualisiert. Ja, das Böse kann so sexy sein! Songs und die basslastige Musikcollage von Micha Kaplan machen das Trinkgelage in Auerbachs Keller zur deutschtümelnden Rüpelszene, die Walpurgisnacht zur karnevalesken Gruselparty. Dieser Faust im multimedialen Wunderland trifft sicher nicht jedermanns Geschmack, aber Spaß macht’s allemal. Ariane Schön

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