Körperarbeiten: Life-Size von Jana Sterbak in Duisburg

Jana Sterbak, Vanitas: Flesh Dress For An Albino Anorexic, 1987 | Foto: (c) Jana Sterbak

In Kooperation mit der Innsbrucker Galerie im Taxispalais zeigt das Lehmbruckmuseum Duisburg Arbeiten der tschechisch-kanadischen Künstlerin Jana Sterbak. Erstmals seit 2002 wird so im deutschsprachigen Raum ein retrospektiver Überblick über ihr vielgestaltiges Werk ermöglicht.

2010 sorgte Pop-Sängerin Lady Gaga bei den „MTV Video Music Awards“ für Aufsehen, indem sie keine klassische Galarobe auf dem roten Teppich präsentierte, sondern ein aus Fleisch bestehendes Kleidungsstück. Ein wichtiger Einfluss für diese Kreation wird die Aktion „Vanitas: Flesh Dress for an Albino Anorectic“ der Künstlerin Jana Sterbak aus dem Jahr 1987 gewesen sein. Dafür wurde ein Kleid aus Ochsenfleisch angefertigt, das von einer jungen Frau getragen wurde. Die Offenlegung oder in diesem Fall Anlegung von Fleisch kann einerseits auf körperliche Vergänglichkeit verweisen als auch am weiblichen Körper feministische Fragestellen aufwerfen, wird der weibliche Körper in spezifischen Kontexten doch auf das Fleischliche reduziert. Die Frau als Fleisch hat zudem nur eine kurze Halbwertszeit.

Auch in weiteren Werken setzt sich die tschechisch-kanadische Künstlerin mit körperlichen Konventionen auseinander: „Distraction“ zeigt eine Frauenbrust mit Behaarung. Durch ein Oberteil wird nicht deutlich, ob ‚weibliche‘ Brust oder ‚männliches‘ Haar – oder beides – zum Körper gehören oder Teil des Kleidungsstückes sind. Eine gezielt politische Dimension von Kleidung wird bei „Mask“ verhandelt. Das Kleidungsstück erinnert an eine Burka, weicht durch große Maschen aber von dieser ab. Erneut wird Sterbaks subversiver und ironisch-humorvoller Ansatz deutlich.

In Duisburg werden 40 Exponate aus drei Jahrzehnten in einer umfassenden Einzelpräsentation gezeigt. Stefanie Roenneke