Bergischer Kulturfonds: Kultur durch Spenden fördern

Harkeerat Mangat, Debasish Bhattacharjee, in ungewöhnlicher Kulisse | Foto: privat

Zum siebten Mal wird aktuell der Bergische Kulturfonds ausgeschrieben. Freie Kulturschaffende, die unter 40 Jahre alt sind, bekommen hier eine Chance auf Fördergelder.

Als 2011 zum ersten Mal der Kulturfonds ausgeschrieben wurde, hieß er noch Wuppertaler Kulturfonds. Die Idee dahinter: Städtisches Geld für die freie Kulturszene ist knapp - vielleicht lässt sich ja über Spenden was machen. Seitdem kommt von Seiten der Wirtschaft Spendengeld ins Säckel, das vom Kulturbüro verwaltet und nach einem Juryverfahren unbürokratisch weitergeleitet wird.

Im Verlauf der Jahre änderte sich an dem System kaum etwas. Mittlerweile nennt sich der Kulturfonds „Bergisch“, obwohl nur die Stadt Remscheid mit ins Boot gestiegen ist, „Solingen konnten wir nicht überzeugen“, so die Wuppertaler Kulturbüroleiterin Monika Heigermoser kürzlich in der Alten Feuerwache, wo aktuelle Projektergebnisse präsentiert wurden. Die Altersbeschränkung für die Teilnehmer lag zwischenzeitlich zunächst bei 35 Jahren, mittlerweile bei 40. Dass sich erfreulich viel junge Kulturschaffende um die Förderung bemühen, konnte man in der Feuerwache feststellen, wo einige Geförderte anwesend waren. Gina Wenzel beispielsweise stellte Auszüge aus ihrem Kurzfilm „Y“ vor und betonte, dass die Produktionskosten ohne Zuwendung nicht zu stemmen gewesen wären. Die Förderbeträge aus dem Fonds liegen in der Regel zwischen 500 und 2500 Euro - oftmals genau der Betrag, der eine Realisierung erst möglich macht. „Junge engagierte Künstlerinnen und Künstler sollen mit finanziellen Mitteln, mit Rat und Tat bei ihren Projekten in Remscheid oder Wuppertal unterstützt werden. Dies soll neue kulturelle Impulse ermöglichen und stärken“, lautet das erste Ziel dieser Förderidee.

Kultur erleben lassen

Ein Papierstopptrickfilm wurde 2016 von der Jury ebenso berücksichtigt wie auch „TOTAL - ein außerordentliches Experiment auf dem Gebiet von Kunst, Entertainment, Wahrnehmung und Denken“, oder auch die „Akustikschlacht“, die Singer/Songwriter Christian Surrey in der Börse veranstaltet. Gefördert wurde außerdem das Remscheider Projekt „Kabäusken“, das mit einem überaus originellen Ansatz glänzen kann. Tim Löhde, Teil des Künstlerkollektivs „Ministerium für harte Kultur“, erläutert den Grundgedanken: „Die Idee ist, Menschen, die sich ziemlich wahrscheinlich sonst nicht treffen oder finden würden, zusammenzubringen und gemeinsam Kultur erleben zu lassen.“

Tim Löhde vom Ministerium für harte Kultur | Foto: privat

Mit Blick auf Remscheid-Honsberg, einem sozialen Brennpunkt ohne nennenswerte Infrastruktur, erdachten Tim und die anderen „Minister“ ihr Konzept: Man bietet erstens kulturinteressierten Menschen ein Überraschungsevent im Wohnzimmer- oder eben „Kabäusken“-Ambiente an und findet zweitens Honsberger, bei denen dieses Event über den Teppich gehen kann. So z. B. geschehen im Falle von Michael Fleischmann, seines Zeichens vorrangig großer Fußballfan und eher nicht so kulturaffin. Er ließ sich auf das Experiment ein und wusste nur, es würden Musiker kommen und Besucher - und es gebe ein Konzert. Tim Löhde und Team hatten wiederum recht bald Reservierungen von neugierigen Remscheidern vorliegen und zum Termin traf man sich an einem vereinbarten Ort. „Es folgte erst einmal eine Stadtteilführung“, so der 26jährige Kunststudent, „und schließlich sind wir dann zu Michael Fleischmann gegangen.“ Hier stellten sich zunächst das Projekt, der Gastgeber und der Musiker Charles Wesseler vor, bevor Letzterer dann seine Instrumente auspackte und konzertierte. „Bei diesem und den drei weiteren Events kam es zu sehr interessanten Gesprächen, durch die Nähe zum Publikum zwischen dem Musiker und den Zuhörern, aber auch zwischen Gastgeber und Gästen.“ So tauschte man sich bei Fußballfan Michael in der Pause angeregt aus - kleine Häppchen inklusive.

"Eine Erfolgsgeschichte"

Projekte, die das Herz des Kulturfonds-Teams höher schlagen lassen. „Das Ganze ist wirklich eine Erfolgsgeschichte“, resümiert Monika Heigermoser und weist auf die aktuelle Ausschreibung hin, für die am 18. April Einsendeschluss ist. „Sie sind in Remscheid oder Wuppertal in der freien Kulturszene aktiv, haben eine kreative Idee für ein Kulturprojekt und brauchen dafür Unterstützung? Der Bergische Kulturfonds bietet jungen Kulturschaffenden aus Remscheid oder Wuppertal Fördermöglichkeiten“, wirbt sowohl das Wuppertaler Kulturbüro als auch das Stadtmarketing und das Kulturmanagement der Stadt Remscheid. Wichtig zu wissen ist: Es können Projektanträge auch von Vereinen oder Projektgruppen gestellt werden, in denen mehrheitlich junge Kulturschaffende aktiv sind. Der Bergische Kulturfonds fördert die anfallenden Kosten von Kulturprojekten allerdings nur anteilig. „ Lassen Sie sich vom Kulturbüro der Stadt Wuppertal oder vom Stadtmarketing der Stadt Remscheid bei der Projektbeschreibung und der Projektkalkulation beraten“, bieten die Fonds-Verwalter an und betonen, dass es keinen Grund für Berührungsängste gibt. Darüber hinaus ist alles Formale hier sehr niederschwellig, auch müssen nach Abschluss einer Projektarbeit - spätestens im Juli 2018 - keine aufwendigen Verwendungsnachweise verfasst werden.

Tja, und Mitte Mai 2017 entscheidet dann eine unabhängige Jury über die eingegangenen Förderanträge. Im Anschluss daran benachrichtigt das Kulturbüro Wuppertal die Antragstellerinnen und Antragsteller über die Ergebnisse. Vielleicht findet man sich ja dann wieder zwischen Theaterleuten, Filmemachern, Wortakrobaten, Musikern, Streetart- und Multimediakünstlern ... Jörg Degenkolb-Degerli