Norbert Molitor: Wo der Schuh brennt

Kaff-Kenner: Norbert Molitor | Foto: Anna Schwartz

Früher war Velbert-Neviges ein Wallfahrtsort. Heute reisen interessierte Städter an, um den Ort zu besuchen, den Norbert Molitor auf seinem Blog „42553 Neviges“ beschreibt. Am 1. März veröffentlicht der Grimme-Online-Preisträger sein erstes Buch: „Im Kaff der guten Hoffnung“.

„Ich will kein Nörgler sein, sondern Berichterstatter“, sagt Molitor. Mit ironischen Spitzen schildert er täglich auf seinem Blog, was in der Nevigeser „Fuzo“ Thema ist: Leerstände, der lokale Einzelhandel oder ein Brunnenumbau. „Ich weiß, wo im Kaff der Schuh brennt“, sagt er. Das Interesse ist groß: Pro Tag verzeichnet „42553 Neviges“ rund 600 Besucher. Auch der Piper Verlag klopfte Ende 2014 an. Der 69-Jährige legte einen Rohtext vor, der auf Zustimmung stieß, und begann zu schreiben: „Ich habe mir vorgenommen, jeden Tag eine Seite zu schaffen. Das hat geklappt. 208 Seiten in 208 Tagen.“ Obwohl der Text wesentlich länger ist als seine täglichen Blogeinträge, beschreibt Molitor den Schreibprozess als „relativ einfach“. Das Nevigeser Café Monsieur M., die Pizzeria oder das eigene Bett dienten als Arbeitsplätze. Seite für Seite schrieb der Autor nieder, was ihm in den Sinn kam – in einfachen Sätzen, „so dass es jeder versteht“.

Im Gegensatz zum Blog handelt „Im Kaff der guten Hoffnung“ nicht nur vom Heimatort des 69-Jährigen: „Es steht für fast jedes deutsche Kaff.“ Jeder Abschnitt beginnt mit einem allgemeinen Teil über Berühmtheiten oder Aktuelles – und beleuchtet dann die Situation im Kaff. Heraus gekommen ist eine liebevolle Hommage an Neviges und seine Bewohner. Sei es nun der Gemüsemann, die Elektrofrau oder der Uhrenverkäufer. „Das Schönste waren die Gespräche, die ich geführt habe“, sagt Molitor rückblickend und verrät seine Lieblingsgeschichte, die ihm die „Hähnchenfrau“ erzählt hat: Am Tag der Trennung von einem sehr geizigen Mann war ihr Heißhunger so riesig, dass sie „am Ende elf ganze Hähnchen“ verspeiste. Wer die Frau ist, verrät Molitor nicht – wohl aber, dass Trennung und Bauchschmerzen gut überwunden sind.

Norbert Molitors „Im Kaff der guten Hoffnung“ erscheint am 1.3. im Piper Verlag und kostet 9,99 Euro.