Thomas Wredes: „Real Landscapes" in Düsseldorf

Dass Thomas Wrede seine Foto-Serie ausgerechnet „Real Landscapes“ genannt hat, ist eigentlich ein Witz. Denn obwohl die Landschaften des gebürtigen Westfalen durchaus so existieren könnten, ist lediglich der Ausgangspunkt real. Das kann beispielsweise eine Pfütze ein. Die fängt Wrede mit einer Plattenkamera mit Weitwinkel geschickt so ein, dass ein Ausschnitt von wenigen Fußschritten wie eine weitläufige Landschaft wirkt. Die Pfütze wird auf Wredes Foto zum See. Am Rande der Pfütze / am Ufer des Sees positioniert der Künstler nun durcheinander gewürfelte Modelleisenbahnhäuser und nennt das Ergebnis „Nach der Flut“.

Tatsächlich sieht die großformatige Fotografie (140 mal 200 cm) aus, wie jene Nachrichten-Bilder, die in den Medien nach Tsunamis oder Überschwemmungen erscheinen. Auch in den anderen Arbeiten, die noch bis Ende März in der Düsseldorfer Galerie Beck & Eggeling gehängt sind, legt Wrede geschickt immer wieder falsche Fährten. Der Betrachter schließt nämlich unweigerlich von der Größe der Modelleisenbahn-Häuser oder Bäume auf das Ausmaß der festgehaltenen Szenerie. Aus einem Schneehaufen kreiert Wrede eine Bergkette, ein paar Zentimeter Sand werden bei ihm zum schier unendlichen Strand. Letzteren kombiniert der Künstler mit einer Achterbahnruine, hinter der die Sonne im Meer versinkt. Nicht zuletzt diese Komposition macht klar: Der Mann an der Kamera ist ein Spezialist für Stimmungen unterschiedlichster Art. Von der Idylle bis zur Katastrophe, von der Sehnsucht bis zum Debakel reicht seine Spannweite. Es sei ihm wichtig, „in die Welt hinauszugehen und mich der Landschaft mit ihrer spezifischen Licht- und Wettersituation auszusetzen und anregen zu lassen“, sagt Wrede. So könne er mit geringen und simplen Mitteln neue Bildwelten schaffen, die ausschließlich durch die Fotografie, in der Fotografie, als Fotografie existieren.

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