Theater Hagen: Das Haus wird in seiner Struktur zerstört

Theater Hagen drohen Kürzungen | Foto: Boris Golz

Vor zwei Jahren feierte das Theater Hagen sein 100-jähriges Bestehen. Das bürgernahe 4-Sparten-Haus besticht durch eine gelungene Balance von künstlerischem Anspruch und niveauvoller Unterhaltung. Die Besucherzahlen sind konstant, die Hagener stehen hinter ihrem Theater. Doch nun hat der Rat der Stadt Hagen eine Kürzung des Etats um zehn Prozent in allen städtischen Kultureinrichtungen ab 2018 beschlossen. Was bedeutet das für das Theater?

Intendant Norbert Hilchenbach, der in seinen sieben Schaffensjahren permanent mit Sparmaßnahmen konfrontiert war, hat eine klare Haltung zu den abermals drohenden Kürzungen. Auch wenn bislang konkrete Ansagen fehlen, hätten weitere Einsparungen harte Konsequenzen. Denn „in den vergangenen zehn Jahren hat das Theater zwei Millionen Euro eingespart, weitere 1,2 Millionen kommen durch die Umwandlung in die gGmbH dazu“, so der Theaterleiter. „Da muss man kein Finanzfachmann sein“, um festzustellen, dass „danach das Haus in seiner Struktur zerstört wird und das Musiktheater nicht mehr zu halten ist. Und das Standbein des Theaters ist das Musiktheater.“ Dieses hat sich nicht zuletzt durch Uraufführungen und Auftragskompositionen zeitgenössischer Opern überregional profiliert.

Lola rennt über Hagens Bühne

Aktuell steht die Inszenierung von „Lola rennt“ nach der berühmten Filmvorlage von Tom Tykwer auf dem Programm, eine Komposition von Ludger Vollmer. Nur wenige Opernhäuser wagen solche Crossover-Produktionen. Norbert Hilchenbach spricht von einer Abwärtsspirale, denn „massive Personalkürzungen hätten massive Produktionseinbußen“ zur Folge, was wiederum zu geminderten Einnahmen und weiteren Sparmaßnahmen führen würde.

Da die Stadt Hagen jedoch von betriebsbedingten Kündigungen absehen wolle, „hätten zumindest die städtischen Mitarbeiter die Zusicherung einer Weiterbeschäftigung“. Anders ist dies beim künstlerischen Personal, denn an dessen Gehältern lässt sich laut Aussage des Intendanten nichts mehr kürzen. Was tun? „Es ist eine Sackgasse. Die Stadt Hagen ist pleite und muss aus den Schulden herauskommen“, und das Theater wird, so Hilchenbach, „die Umwandlung in die gGmbH zum 1.8.2014 mit Elan angehen. Wir werden weitermachen bis zuletzt.“ Absurd ist, dass selbst bei einer Schließung des Hauses in den kommenden Jahren laufende Kosten in Höhe von circa 80 Millionen Euro weiter gezahlt werden müssten, die Bühne des Theaters bliebe aber leer.

Mehr zur Sparpolitik in NRW

Salongespräch: "Gutes Theater ist auch abseits der Hochburgen möglich"

Mangelnder Mut bei den einen, Traumbesetzungen bei den anderen. Die Theaterszene im Ruhrgebiet galt auch schon vor der Ernennung zur „Kultur-Metropole“ als besonders hochwertig, innovativ und vielfältig. Dem rennomierten Riesen aus Bochum haben die kleinen Häuser den Rang abgelaufen. Auch die Essener Oper hat starke Konkurrenz bekommen. Musiker Tommy Finke, Theaterjournalist Honke Rambow und [mehr...]


Schauspielhaus-Intendant Manfred Weber muss gehen

Das Düsseldorfer Schauspielhaus kommt nicht aus den Negativ-Schlagzeilen heraus. Eine drohende Insolvenz konnte gerade noch abgewendet werden, ein hohes Defizit bleibt jedoch. Die Konsequenz daraus: Intendant Manfred Weber muss gehen und auch in der Verwaltung wird es einige, personelle Veränderungen geben. Erst vier Tage ist es her, dass sich die Mitarbeiter des Hauses in einem offenen Brief an [mehr...]


Kommentar hinzufügen

* Pflichtfeld