Im Portrait: Romy Schmidt, die neue Leiterin des Prinz Regent Theaters

Romy Schmidt inszeniert „Tschick“ | Foto: Sandra Schuck

UPDATE: Romy Schmidt wird neue Leiterin des Prinz Regent Theaters

(5. Juni 2014) Was Max Kühlem in seinem Portrait Anfang des Jahres bereits vermutet hat, ist heute offiziell geworden. Romy Schmidt wird nach dem Abschied von Sibylle Broll-Pape neue Leiterin des Prinz Regent Theaters. Während Broll-Pape sich anderen Aufgaben in Bamberg zuwendet, bietet sich für Romy Schmidt ab der Spielzeit 2015/16 die Möglichkeit neue Impulse für das Prinz Regent Theater und die freie regionale Theaterszene zu setzen. 


Tschick“ zu inszenieren, dazu gehört eine große Portion Mut. Wolfgang Herrndorfs Roman hat sich seit seinem Erscheinen 2010 bald eine Million Mal verkauft, die Theaterfassung ist aktuell ein Riesenerfolg an unzähligen Bühnen. Wenn es Regisseurin Romy Schmidt an einem nicht fehlt, dann an Mut. „Das Stück wird gerade so viel gespielt, da will ich besser sein“, nahm sie sich für ihre Inszenierung am Bochumer Prinz Regent Theater vor. Und tat mit dem Ergebnis einen weiteren erstaunlichen Schritt in einer erstaunlichen Biographie.

„Manchmal macht es in der Probenarbeit einfach wie mit dem Zauberstab ,Kling!', und alles hebt ab“, sagt die 34-Jährige. „Ich arbeite für diese kleinen Theaterwunder.“ Mit „Tschick“ ist ihr das Wunder definitiv gelungen: eine besonders schöne, schwebende, phantasievolle Inszenierung, an der sich die Konkurrenz messen muss. In den kleinen Bühnenraum des Prinz Regent Theaters zaubert sie mit wenigen, aber liebevoll gebauten Requisiten und drei exzellenten Darstellern ein Gefühl von grenzenloser Freiheit.

Dass aus Romy Schmidt eine Regisseurin wird, die einen Theaterraum mit leichter Hand zum Schweben bringen kann, war in ihre Biographie nicht unbedingt eingeschrieben. „Ich komme ursprünglich aus dem wilden Osten, dem Dreiländereck in der Oberlausitz“, erzählt sie. Die Familie bestand komplett aus Arbeitern, trotzdem tauchte Romy Schmidt in den Kosmos aus Kunst und Kultur ein. „In der Frühpubertät habe ich Bücher wie ,Moby Dick' gelesen, die mein Opa sich irgendwo gekrallt hatte.“ Regelmäßig besuchte sie Vorstellungen am Theater in Zittau, und mit 15 zog sie aus, ging freiwillig auf ein Internat. „Ich wollte nicht stehen bleiben, und wenn die Wende nicht gekommen wäre, hätte ich mich wahrscheinlich erschossen“, blickt sie zurück.

"Wenn die Wende nicht gekommen wäre, hätte ich mich wahrscheinlich erschossen“

Das Studium von Medien- und Kommunikationsmanagement und Drehbuch in Stuttgart hat Romy Schmidt bewusst gewählt, weil es ein offenes Studium mit unklarer Berufsperspektive sei. „Management fand ich spannend“, sagt sie, „aber bei einem Praktikum bei Mercedes Benz fiel mir auf, dass alle stocksteif sind. Und was kommt am Ende aller Mühe raus? Irgendein Verkaufsprodukt.“ Als sie sich bei ihrem Nebenjob an der Theaterkasse in eine Probe schlich, öffnete ihr das die Augen: Der Regisseur muss hier auch Manager sein, einen riesigen Apparat aus Dramaturgie, Schauspielern, Requisite, Kostüm, Technikern und Verwaltung für sein Projekt begeistern. „Mir war klar, dass ich diejenige sein wollte, die die Anweisungen gibt.“

Doch Romy Schmidt war auch klar, dass sie nicht noch einmal Regie studieren und alles „in Wattebäuschchen“ lernen wollte, was sie als Assistentin und hungrige Leserin von Theoriebüchern auch so lernen konnte: „Das ist hart, sich als Assistentin durchzusetzen gegen Schauspieler, die dich erst nicht ernst nehmen, oder gegen Techniker, die man bitten muss, in ihrer Freizeit was zu bauen“, sagt sie. „Der Theaterbetrieb ist hierarchisch und kann schwierig sein. Aber ich fand das gut.“ Mit Inszenierungen wie „Der Sandmann“ oder „Die Schneekönigin“, die am Staatstheater Darmstadt ins große Haus mit 1 200 Plätzen kam, erarbeitet sie sich einen eigenen Regiestil und lernte Sibylle Broll-Pape kennen, die sie ans Prinz Regent Theater holte. Da sie dort als einzige Regisseurin neben der Leiterin inszeniert, liegt der Gedanke nicht allzu fern, dass sie nach Broll-Papes Wechsel nach Bamberg im nächsten Jahr als leitende Regisseurin weitermachen könnte.

„Ich habe hier Wurzeln geschlagen – zum ersten Mal in meinem Leben“

Einen Proben- und Experimentierraum für Off-Projekte wie Figuren- und Objekttheater mit Lena Tempich hat sich Romy Schmidt mittlerweile mit einem Atelier im Bochumer Viertel Speckschweiz geschaffen. „Ich habe hier Wurzeln geschlagen – zum ersten Mal in meinem Leben“, sagt sie. Obwohl sie bei ihrer ersten Begegnung mit der Stadt gerade aus Berlin kam und dachte: „Oh Gott, wie leben die hier? Warum gibt es nur eine U-Bahn?“

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