Proto Magazin: Ein Thema, ein umfassendes Bild

| Foto: Jan-Erik Nord

Proto ist eine Frage, ein Experiment und vielleicht eine Antwort“, sagt Sascha Lück. Und er muss es wissen. Im Januar 2010 hat er das Düsseldorfer Literaturmagazin gegründet. Seitdem sind vier Ausgaben erschienen, jede davon ist einem Thema gewidmet. Die jüngste versammelt Texte zum Thema „Schnittstellen“. Dorian Steinhoff hat mit Herausgeber Sascha Lück über Konzeption, Autoren und die Evolution der Hefte gesprochen.

Die banalste Frage zuerst: Proto, wie kamt ihr auf den Namen?

Da muss ich etwas weiter ausholen: Die Idee, ein Literaturmagazin zu machen, hatte ich vor ungefähr vier Jahren. Der Hintergrund von „Proto“ sollte sein, das, was unsere Zeit bewegt, in eine literarische Form zu bringen und verschiedenen Stimmen die Möglichkeit zu geben, sich zu äußern. Und so kam ich auch auf „Proto“, weil „Proto“ der Anfang von Kommunikation sein sollte.

Das musst du genauer erklären, was bedeutet „Proto“ denn?

„Proto“ leitet sich von Prototyp ab. „Proto“ ist ein Anfang, der Anfang eines Gesprächs zum Beispiel, eben ein Gespräch an dem viele beteiligt sind.

Jede Ausgabe von „Proto“ hat ein Thema. Warum habt ihr euch für das Themenheft als Konzept für das Magazin entschieden?

Weil es von Anfang an um Themen ging. Jedes Heft dreht sich um ein Thema, das mich und meine Mitredakteurinnen beschäftigt. Aus unseren individuellen Fragestellungen heraus haben wir versucht, Antworten in Texten zu finden. In den Heften versuchen wir dann, ein umfassendes Bild dieses Themas durch die ausgewählten Texte wiederzugeben.

Wie läuft der Herstellungsprozess ab, gibt es zuerst das Thema oder die Texte?

Das ist sehr unterschiedlich. In der vierten Ausgabe gibt es zum Beispiel einen Text von Nina Anin, den sie uns eigentlich für die dritte Ausgabe geschickt hatte. Damals passte er nicht ins Heft. Ich mochte den Text aber. Er war für mich der Anlass, über das Thema der vierten Ausgabe, „Schnittstellen“, nachzudenken.

Fragt ihr gezielt Autoren an, ob sie einen passenden Text haben oder schreiben würden?

Ja, wir schreiben einzelne Leute an, von denen wir wissen, dass ihre Texte zu einem Thema passen, oder von denen wir glauben, dass sie gut was dazu schreiben könnten. Andere Texte bekommen wir aber auch unverlangt zugeschickt. Die vielleicht gar nicht zum Thema passen, uns aber trotzdem gefallen. Dann fragen wir beispielsweise: Könntest du dir auch vorstellen, was zu „Schnittstellen“ zu schreiben?

Die erwähnten Mitredakteurinnen waren Sina Klein und Peggy Neidel. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

Peggy Neidel hatte Texte für die zweite Ausgabe eingesandt. Und beim Lesen ergab sich für mich das Bild „Mensch, Maschine“. Peggy erschien mir deshalb die beste Person zu sein, um zusammen ein Heft zu diesem Thema zu machen. Sina Klein kenne ich schon länger. Sie veröffentlichte in der zweiten Ausgabe von „Proto“, und wir haben uns schon immer viel ausgetauscht. Deshalb war es beim Thema der aktuellen Ausgabe naheliegend, dass wir dazu gut zusammen arbeiten können, dass sie viel beitragen kann.

In der aktuellen Ausgabe ist mit Anja Khersonska eine Autorin vertreten, die das erste Mal veröffentlicht. Wie stellt ihr euer Autorenportfolio für eine Ausgabe zusammen?

Der Aufbau soll so sein: Im Idealfall werden Autoren, die noch nie was veröffentlicht haben, eingerahmt von Autoren, die schon auf erste literarische Gehversuche zurückblicken können und vielleicht bereits einer Leserschaft bekannt sind. Wir möchten auch eine besonders große Altersspanne vertreten wissen. Es geht uns darum, viele verschiedene Stimmen zu versammeln.

Prosa steht in „Proto“ gleichgewichtet neben Lyrik. Gibt es dazu eine konzeptionelle Überlegung oder veröffentlicht ihr so, wie die Texte zum Thema des Heftes passen?

Wir bemühen uns um dieses Gleichgewicht, weil wir beide Gattungen gleich wichtig finden. Außerdem bieten verschiedene Formen verschiedene Blickwinkel auf ein Thema.

Hast du eigentlich ein Lieblingsheft?

Das ist schwer zu sagen, „Proto“ und seine Themen funktionieren wie eine Evolution. Die Themen bauen aufeinander auf. Das ist eine Gemeinsamkeit, die die einzelnen Ausgaben aber sehr unterschiedlich macht.

Jetzt erscheint das neue Heft. Das Thema ist „Schnittstellen“. Wie kamt ihr darauf?

Als wir mit der Arbeit an „Proto“ vier begannen, war das Thema Missbrauch gerade stark in den Medien vertreten. Wir stellten uns die Frage: Was ist Liebe und vor allem, wann kippt Liebe, wann wird aus Liebe Missbrauch? Um diese Schnittstelle geht es zum Beispiel. Ich glaube, viele Texte liest man nicht gern. Uns war wichtig, Täter- und Opferperspektiven zu präsentieren.

Ist auch eine Präsentation des neuen Heftes in Düsseldorf geplant?

Ja, bei einer Lesung im zakk werden am 26. März Anja Khersonka, Nina Anin und Axel von Ernst ihre Texte lesen.

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