KinderStücke 2014: Eine Frage der Perspektive

Szene aus „Draußen bleiben“ am Theater Lüneburg | Foto: t & w /Andreas Tamme

Zwar ist die Qualität der Kinderautorenstücke in der Breite gestiegen, insgesamt sei der „Antrieb und Anreiz an deutschen Theatern aber noch immer zu gering.“ Thomas Irma, Sprecher des Auswahlgremiums für die Mülheimer Kinderstücke 2014 eröffnet die Vorstellung der diesjährigen Nominierten mit mahnenden Worten. Die überall gegenwärtigen Budgetprobleme führten leider oft dazu, dass hauptsächlich auf die Inszenierung altbekannter Märchenklassiker gesetzt würde, anstatt moderne und kritische Stücke für Kinder aufzuführen. Nichtsdestotrotz hat die Auswahljury auch in diesem Jahr wieder ein spannendes Programm für den Theaternachwuchs zusammengestellt.

Freundschaft zwischen Jungen und Mädchen, zwischen Kindern aus reichem Hause und denen, die allgemein als „sozial schwach“ betitelt werden, gehören zu den Themen in diesem Jahr. In „Mensch Karnickel“ von Rudolf Herfurther werden sowohl der zweite Weltkrieg als auch das modernere Phänomen der Patchworkfamilie aus der Sicht eines Kindes geschildert. Der Junge Clemens wird von der Stadt aufs Land geschickt, um vor den Bombardierungen durch die Alliierten sicher zu sein. Als ihm nach fünf Jahren, gespickt von Umwegen, endlich die Rückkehr gelingt, ist seine Mutter neu verheiratet und er hat einen Halbbruder. „Draußen Bleiben“ von Michael Müller erinnert ein wenig an Lee Halls „Billy Elliott“. Der 10 jährige Roman übernimmt für seine arbeitslose Mutter und seine kleine Schwester Verantwortung und ersetzt die Rolle des abwesenden Vaters. Trotz dieser schwierigen Ausgangssituation hat der gute Schüler einen ungewöhnlichs Zeil: Er will ein Thomaner werden.

Die Klammer, die alle Stücke vereint, dreht sich damit um das Thema soziale Herkunft. Die zeitgenössischen Probleme unserer Gesellschaft seien dabei bei den Kindern genau die selben, wie bei den Erwachsenen, meint Irma – Was sich ändert, ist nur die Perspektive.

 

KinderStücke 2014: 19-23.5. im Rahmen der Mülheimer Theatertage.

Die KinderStücke 2014 im Überblick

  • Die Prinzessin und der Pjär
    Milena Baisch
    GRIPS Theater Berlin
  • Mensch Karnickel
    Rudolf Herfurtner
    Theater Osnabrück
  • Draußen bleiben
    Michael Müller
    Theater Lüneburg
  • Mein Jahr in Trallalabad
    Thilo Reffert
    Landestheater Tübingen
  • Der Bär, der ein Bär bleiben wollte
    Andreas Schertenleib
    Schertenleib&Seele/Theater PurPur Zürich/KreuzKultur Solothurn

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17.5. - 7.6. verschiedene Locations, Mülheim

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