Junges Schauspielhaus: Supergute Tage oder Die sonderbare Welt des Christopher Boone

Mark Haddons Roman „Supergute Tage oder Die sonderbare Welt des Christopher Boone“ wurde von dem Dramatiker Simon Stephens für die Bühne bearbeitet. Regisseurin Wera Mahne setzte das Stück mit Tiefgang auch für Weit-über-13-Jährige mitreißend um.

Groß und mit schwarzen Locken liegt Wellington wie schlafend auf dem Rasen. Doch eine Mistgabel steckt in seiner Brust. Der Hund der Nachbarin ist tot. Brutal ermordet. Christopher, 15 Jahre, drei Monate und zwei Tage alt, kann es nicht fassen. Jonas Anders, der in der Hauptrolle mit stiller Intensität das leblose Tier mit tiefstem Ernst betrauert, zieht das Publikum ab der ersten Sekunde in seinen Bann. Und lässt es bis zum Ende nicht mehr los. Denn die Mördersuche gestaltet sich als Trip durch eine Welt voller außergewöhnlicher Wahrnehmungen und besonderer Talente.

Christopher ist ein Mathe-Genie. Er liebt Computer, die im Bühnenhimmel hängenden Primzahlen und den Weltraum. Er ist gern allein. Er hasst es, angefasst zu werden. Und doch wächst der von Anders so überzeugend gegebene Autist bei der Aufklärung des Falls über sich selbst hinaus. Nur Mut! Ihm zur Seite stehen die sensible Therapeutin Siobhan (Kruna Savić) sowie sein einfühlsamer Vater (Felix Lampert). Die Mutter (Anna Kubin) floh längst vor dem immens kraftvollen Charakter ihres Sohnes, der seinen ganz eigenen Prinzipien und Ordnungssystemen folgt. Eine herrlich schrullige Nachbarin (ebenfalls: Anna Kubin) gibt schließlich den entscheidenden Tipp: London Calling!

Mit faszinierender wie lyrischer Logik sucht und findet Christopher weitere Anhaltspunkte, System und Orientierung. Wie er durch spiralförmige Fortbewegung Wege findet, wie er bei seiner Ankunft in der hektischen Stadt (Bühne: Anna Siegroth) das System der U-Bahn analysiert und damit auch den uns umgebenden Wahnwitz dechiffriert, das ist einleuchtend und fantastisch einfühlsam dargestellt. Fazit: ein superguter Theatertag.

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