Jan Böhmermann im Interview: "Hitler ist ein echter Gag-Evergreen"

Jan Böhmermann: "Die Schuld liegt immer bei mir" | Foto: Tom Wagner

Radiomoderator, Podolski-Imitator, satirischer Deutschlanderklärer und Teilzeit-Sidekick von Harald Schmidt – nur der Anfang der Karriere des Komikers Jan Böhmermann. Seit er auf dem Digitalkanal ZDFneo mit Charlotte Roche in „Roche und Böhmermann“ den konventionellen TV-Talk beerdigte und neuerdings mit dem Late-Night-Format „NEO Magazin“ nachlegt, bauen auch die Sender-Verantwortlichen auf den „digitalsten aller Entertainer“. Die Zahl seiner Twitter-Follower war manchmal höher als die Einschaltquote. Mit Jens Mayer sprach der 33-Jährige über sein anstehendes Bühnenprogramm „Schlimmer als Jan Böhmermann“.

coolibri: Guten Tag Herr Böhmermann.

Böhmermann: Sorry für die Verspätung – wir sind einen Tag vor der Aufzeichnung und kommen gerade aus der Redaktionskonferenz, die etwas länger gedauert hat.

Kein Problem, sie sind im Stress ...

Es ist stressig ja, übermorgen ist wieder die erste Sendung des Jahres.

Glückwunsch zur Fortführung Ihrer Sendung „Neo Magazin“! Wir werden Sie also dieses Jahr noch häufiger auf ZDFneo sehen.

Danke. Es sind zunächst einmal zwanzig Folgen geplant. Ein starkes Pensum.

Aber auch ein großes Zugeständnis vom Sender.

Naja, das geht. Ich glaube, Markus Lanz macht 500 Sendungen dieses Jahr. Aber für Neurotiker wie mich sind schon 20 eine Menge Arbeit.

Sie sind zum zweiten Mal in Folge für den Grimme-Preis nominiert worden. Dem wird eine vernichtende Wirkung nachgesagt. Die Talksendung „Roche und Böhmermann“, für das ihr Team im letzten Jahr nominiert wurde, war schon bei Bekanntgabe am Ende.

Dieser Aberglaube ist für Menschen, die auch daran glauben, dass es Bielefeld nicht gibt. Nach dem Ende der Sendung im letzten Jahr und dem, was alles passiert ist, finden wir das alle hier in der BTF [die Produktionsfirma Bildundtonfabrik, Anm. d. Autor] wirklich toll. Alleine die Nominierung beweist, dass irgendjemand in Marl sich versehentlich zu ZDFneo verirrt hat. Unser Mini-Sender ZDFneo hat immerhin fünf Nominierungen bekommen. Bei neo geht halt was, die machen was.

Sie wurden im Artikel eines Branchenmagazins sogar zu den sieben Hoffnungsträgern der Öffentlich-Rechtlichen gezählt.

Das habe ich auch gelesen, aber ... naja. Ein ehemaliger Vorgesetzter von mir hat einmal gesagt: „Die Guten kochen auch nur mit Wasser, und alle anderen setzen den Topf auf.“ Egal, wie man das von Außen bewertet, die Arbeit bleibt die Gleiche.

Die Arbeit steht bei Ihnen sehr im Vordergrund.

Das klingt natürlich ein bisschen blöd, aber wir haben einfach viel zu tun. Morgen ist die Aufzeichnung, wir haben fünfundvierzig Leute, die sich darum kümmern. Und wir müssen heute noch einiges vorbereiten, damit die Sendung morgen gut wird. Man startet die Staffel schon ganz gerne mit einer guten Sendung.

Und nun bekommen sie ausgerechnet auch noch eine RTL-Show. Verliert das ZDF nach Joko und Klaas den nächsten Hoffnungsträger?

So lange es keinen Exklusivvertrag mit einem Sender gibt, kann man künstlerisch alles machen was man für richtig hält. Da bin ich gar nicht dogmatisch. Den Fernsehpreis 2009 haben Pierre M. Krause, Caroline Korneli und ich auch für „TV Helden“ auf RTL geholt. Das war eine tolle Produktion, die man heute immer noch gut finden kann. Wenn die Bedingungen stimmen, man kreativ sein darf, wie man möchte und einem vertraut wird, kann man theoretisch mit jedem Sender zusammenarbeiten.

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