Grausame Spieler: Spieltrieb

2004 wurde der Roman „Spieltrieb“ veröffentlicht, in dem die Schriftstellerin und Juristin Juli Zeh anhand einer fatalen Dreierkonstellation Fragen der Moral verhandelt. Bernhard Studlar schrieb die Bühnenfassung, die nun von Ronny Jakubaschk im Neusser RLT inszeniert wird.

Was ist gut, und was ist böse, woher soll man das noch wissen? Die hochbegabte 14-jährige Ada (Shari Asha Crosson) weiß es längst nicht mehr. Oder hat es nie gelernt. Sie ist nicht nur in der Schule eine Außenseiterin. Arrogant hält der frühreife aber introvertierte Teenager mit intellektueller Überlegenheit Klassenkameraden kontinuierlich auf Distanz. Als der 18-jährige Alev (Henning Strübbe) in ihrer Jahrgangsstufe auftaucht, findet sie in dem dominanten Neuling anfangs einen Konkurrenten, dann den ihr scheinbar intellektuell gewachsenen, gefährlichen Verbündeten. Gelangweilt von den Gesetzen der üblichen Moral suchen sie nach Möglichkeiten, gesellschaftliche Spielregeln außer Kraft zu setzen, sich selbst in Grenzüberschreitungen zu erfahren. Gemeinsam entwickeln die radikalen Denker ein folgenreiches Experiment. Im „Menschenversuch“ wollen sie mögliche Konsequenzen des Spiels um Hörigkeit, Sex, Voyeurismus und Erpressung ausloten. Ihr Opfer ist der Lehrer Smutek (Andreas Spaniol). Doch die Beziehungen ändern sich, und dementsprechend ebenso die Machtverhältnisse. Opfer werden Täter, Täter zu Opfern. So ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Initiatoren die Kontrolle über den Konflikt verlieren und sich in völlig neuen Positionen wiederfinden.