Wo die Liebe hinfällt: Wie es euch gefällt

| Foto: Sebastian Hoppe

Mit „Wie es euch gefällt“ inszenierte Hausregisseurin Nora Schlocker am Düsseldorfer Schauspielhaus nicht nur ihren ersten Shakespeare, sondern auch ihre erste Komödie.

Paul ist noch immer tot. Seit mehr als 400 Jahren. Denn was Fehlfarbe Peter Hein mit der Hymne des Debüt-Albums MONARCHIE UND ALLTAG 1980 auf den Punkt brachte, war wohl auch schon vor Shakespeare ein alter Hut: „Was ich haben will, das krieg’ ich nicht. Und was ich kriegen kann, das gefällt mir nicht.“ Willkommen im um 1600 erfundenen Plot von „Wie es euch gefällt“. Jeder liebt hier erst einmal den, der jeweils einen anderen liebt. In fantastischen Kostümen (Jessica Rockstroh) und einem traumhaften Bühnenbild (Bernhard Kleber) agieren ganz im Sinne des Erfinders ausnahmslos Herren des Düsseldorfer Ensembles in sämtlichen und durchweg mehrfach besetzen Rollen.

Höchst erheiternd ist es, wie sich Florian Jahr als Rosalind in blutroter Haute-Couture-Robe, Celia alias Ingo Tomi mit grotesk hoher Perücke, Sven Walser als Herzog oder „Le Beau“ Taner Sahintürk dem Publikum winkend und tuschelnd höfischen Manieren und entsprechender Manieriertheit hingeben. In charmant-grotesken Bildern, die einem Film Tim Burtons entstammen könnten, kämpft diese illustre Gesellschaft mit unterschlagenen Erbschaften, Zweikämpfen, Standesdünkeln und – last not least – der Last mit der Liebe. Als es die schrille Schar in den Wald verschlägt, wittert, scharrt und schnaubt sich dort Jonas Anders gar als lieblicher scheuer Hirsch mit hängendem Geweih durchs lyrisch visualisierte Morgenrot im Bühnenhalbrund, bis er blutig vom Pfeil erlegt wird. Herrlich!

Immer wieder bietet diese Inszenierung dem Betrachter pittoreske Ansichten, die man gerne in Form überdimensionaler Fotografien konservieren würde. Die Herrenliga lässt dabei spielfreudig die Testosteron-Pistole stecken, wo es nötig ist. Da bleibt Aleksandar Radenković u. a. als schwer in Rosalind verliebter Orlando der Männerrolle noch am treusten. Schräge Herrenchöre, die selbst vor Heinos „Blauem Enzian“ oder den Toten Hosen nicht Halt machen, und herzerwärmende Auftritte der Kinderstatisterie heizen dem Gefühls-Spektakel zusätzlich ein. Auch wenn die Happy-End-Hochzeit ausbleibt, wie verrückt vor Liebe scheinen die Akteure auf dieser Bühne allemal.