Vielseitig: lit.COLOGNE

Michael Köhlmeier | Foto: Peter-Andreas Hassiepen

Dies ist ein Text über Literatur, und an seinem Anfang soll ein über die Maßen empfehlenswerter Literat zu Wort kommen. Michael Köhlmeier. „Ich besaß nie den Ehrgeiz, ein guter Mensch zu werden; auch wenn ich eine Zeitlang glaubte, Moral gehöre zu unserer Grundausstattung“, schreibt der Österreicher in seinem jüngsten Roman „Die Abenteuer des Joel Spazierer“.

Mit selbigem ist Köhlmeier bei der diesjährigen lit.COLOGNE zu Gast, am 12. März in der Kulturkirche. Insgesamt 103 Veranstaltungen für Erwachsene und ebenso viele für Kinder bilden das diesjährige Programm des Literatur-Festivals, das zwischen dem 6. und 16.3. in Köln stattfindet. Zur 13. Ausgabe des Vorlese-Marathons werden hochkarätige Autoren aus aller Welt erwartet, natürlich. Herta Müller reist an, die aktuelle Buchpreisträgerin Ursula Krechel, Connie Palmen, Amos Oz, Julian Barnes und Martin Walser, um nur einige zu nennen.

Aber auch die große Politik gibt sich die Ehre. Michail Gorbatschow zum Beispiel. Der Vater von Perestroika und Glasnost trägt am 13.3. im Gürzenich aus seiner Autobiografie „Alles zu seiner Zeit“ vor, in der er über die wichtigsten Stationen seines politischen Werdegangs ebenso erzählt wie über seine verstorbene Frau Raissa, mit der er mehr als fünfzig Jahre zusammenlebte. Auch Kofi Annan, einst Generalsekretär der Vereinten Nationen, findet mittlerweile offenbar mehr Zeit zum Schreiben. In „Ein Leben in Krieg und Frieden“ spannt er den Bogen von seiner Jugend in Ghana bis in die Gegenwart. Am 16.3. liest Annan in der Universität zu Köln. Und auch sonst geht es nicht überall um pure Unterhaltung, vielmehr stehen durchaus ernste Themen im Vordergrund. So debattieren Klaus Farin und Heinz Buschkowski am 7.3. in der Kölner Universität zum Thema „Krieg in den Städten – Ist Neukölln überall?“.

Alles verkauft und hinter sich gelassen haben hingegen Danielle de Picciotto und Alexander Hacke. Seitdem sind die Mitinitiatorin der ersten „Love Parade“ und der Bassist der Einstürzenden Neubauten auf Reisen. Über ihr Leben als moderne „mobile ethnische Minderheit“ haben sie eine Graphic Novel verfasst: „We Are Gypsies Now“ heißt das Werk, das am 15.3. im Schauspielhaus im Mittelpunkt stehen wird. Um eine ungewöhnliche Freundschaft geht es hingegen am 10.3. in der Oper. Dort werden sich Philippe Pozzo di Borgo und Abdel Sellou einfinden. Kennen Sie nicht? Kennen sie doch. Die Geschichte der beiden ist die Vorlage für den erfolgreichsten Film im vergangenen Jahr: „Ziemlich beste Freunde“. Im Gespräch mit Moderator Frank Plasberg spricht das ungleiche Doppel über seine Freundschaft, diskutiert aber auch die Forderungen für eine inklusive Gesellschaft aus Pozzo di Borgos neuem Buch „Ziemlich verletzlich, ziemlich stark“. So vielseitig ist sie also die lit.COLOGNE 2013. Fast wie ein Buch.

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