Novecento: Fest verankert

Hendrik Vogt spielt den Ozeanpianisten | Foto: Claudia Kempf

Schrecklich die Vorstellung, unfreiwillig in einem wie auch immer gearteten Mikrokosmos festgehalten zu werden. Das Beispiel „Terminal“ in einem Film mit Tom Hanks zeigt dies anhand eines Flughafens (und nach einer wahren Begebenheit), in dem sich ein Gestrandeter dort häuslich einrichtet, nachdem er sowohl ein Einreise- als auch ein Ausreiseverbot auferlegt bekommen hat.

Umso erstaunlicher die Vorstellung, freiwillig einen solchen Mikrokosmos nicht zu verlassen. So in der Geschichte „Novecento“, die den Untertitel „Die Legende vom Ozeanpianisten“ trägt. Hier wird die fiktive Geschichte von Danny Boodman T.D. Lemon Novecento erzählt, der darin am 1. Januar 1900 als Säugling auf dem Passagierschiff Virginian herrenlos aufgefunden wird. Novecento, der auf dem Schiff aufwächst, beginnt im Jugendalter, die Passagiere mit seinem Klavierspiel zu begeistern. „Die Töne, die er dem Klavier entlockt, entstammen anderen Sphären, sie versetzen ihre Zuhörer in Trance. Es ist, als finge er auf den 88 Tasten seines Instruments den unendlichen Reichtum der Welt ein, einer Welt, die er selbst jedoch nie gesehen hat und auch nicht sehen wird. Denn er ist auf dem Dampfer geboren, als Waise aufgewachsen und wird ihn bis zu seinem Untergang in den Wirren des Zweiten Weltkriegs nicht ein einziges Mal verlassen“, umschreiben die Wuppertaler Bühnen das Stück, das im März im Kleinen Schauspielhaus mit Hendrik Vogt als Titelfigur Premiere feiert. Unter der Regie von Thomas Ulrich wird der Monolog für die Bühne inszeniert. „Eine Reise durch die Wogen einer stürmischen Zeit und eine Liebeserklärung an die Improvisationskunst des Jazz, der aus wenigen Elementen unendliche Vielfalt schaffen kann. Zugleich ist ‚Novecento’ ein poetisches Stück über die Macht der Phantasie, über ihr Vermögen, Grenzen zu überschreiten und die Menschen zu verbinden.“