Kabarett-Hochamt

Früher war nicht alles besser, aber vieles anders: Im Kabarett trug man noch Anzug, arbeitete sich systematisch an der Bonner Republik ab und verschnürte seine Pointen und Sketche mit einem roten Faden, auf dass man die zwei Stunden Bürgertumsbelustigung auch guten Gewissens „Programm“ nennen konnte.

Andreas Rebers, Jahrgang 1958, pfeift auf dieses Kleinkunst-Korsett. In Trainigsjacke sitzt er an seiner Heimorgel, singt Popsongs wie Gospelstandards und verkündet mit dumpfer Stimme seine Botschaft. „Ich regel das“ heißt das fantastische Programm, mit dem er seit 2010 auftritt. Als Reverend Rebers legt er nicht nur mit der inbrünstigen Leidenschaft eines Fernsehpredigers die dreisten Lügen der Politprofis offen. Nein, er entlarvt darin jeden, der sich weltanschauungstechnisch sicher fühlt, als Opfer eines täglich sich verändernden Mainstreams und intellektuell verbrämter Parolen-Nachäfferei.

Jetzt, da die Bundestagswahl näher rückt, hat der streetkredibile Geistliche sein Stück etwas gepimpt. „Predigt erledigt“ heißt es nun, hat von seiner Schärfe allerdings nichts verloren. Rebers ist respektlos, wo es angebracht ist, und schafft mit seinen scheinbar assoziativ vorgetragenen Beobachtungen ein spannendes Kaleidoskop der politischen Wirklichkeit 2013. So fordernd, so dicht, nicht zuletzt so schmerzhaft war Kabarett in den vergangenen Jahren selten.