Jimmy Wales: So gut wie der Brockhaus

Hallo Nerd: Jimbo Wales goes Mönchengladbach | Foto: Harry Walker Agency

Es ist eine Grundregel des journalistischen Geschäfts, sich bei der Recherche nicht auf die Quelle Wikipedia zu stützen. Schließlich hat jeder die Möglichkeit, dort Eintragungen vorzunehmen. In diesem Fall nun verstoßen wir ausdrücklich gegen die Regel – und können das vermutlich auch guten Gewissens tun. Schließlich geht es um Jimmy Donal Wales, genannt „Jimbo“. Obwohl der Name des US-Amerikaners keinesfalls so populär ist wie jene der Herren Jobs (Apple) oder Zuckerberg (Facebook), sein virtuelles „Baby“ kennt jeder: Wikipedia. Am 15. Januar 2001 wurde die Plattform frei geschaltet und erlebte schon bald einen rasanten Anstieg von Nutzern und Beitragsschreibern. „Unser Anspruch muss es sein, so gut zu sein wie der Brockhaus“, sagte Wales mal in einem Interview.

Er selber entdeckte die Lexika – noch in Buchform – schon früh als Lektüre für sich. Bereits im zarten Alter von vier Jahren soll der Sohn eines Gemischwarenhändlers und einer Lehrerin bevorzugt in der „World Book Encyclopedia“ geschmökert haben. Nach dem High-School-Abschluss studierte er Finanzwirtschaft, um in den 1990ern unter anderem an der Chicagoer Börse sein Brötchen zu verdienen. Heute hat der Wikipedia-Gründer so viel verdient, dass er es sich leisten kann, unentgeltlich die britische Regierung zu beraten. Ansonsten ist der Wahl-Londoner und Hobby-Philosoph an bis zu 250 Tagen im Jahr unterwegs, um weltweit für sein Unternehmen zu werben. Am 6.3. gastiert er in Mönchengladbach, wo er in der Reihe „Pioniere der Welt“ über „Democracy and the Internet“ reden und sich von dem renommierten Wissenschaftsjournalisten Stefan Schulze-Hausmann befragen lassen wird. Die Beiträge für die Online-Enzyklopädie verfassen derweil Nicht-Profis. Zum engeren Kern der deutschsprachigen Wikipedia zählen Wales Schätzung nach lediglich 800 bis 900 Autoren. Diese „Wikipedianer“ zeichnen sich allerdings durch besonderen Eifer aus und bringen es im Monat schon mal auf mehr als 100 Beiträge oder Änderungen. Demokratisch sei Wikipedia trotz dieses offenen Austauschs von Informationen allerdings nicht, so Wales: „Wir glauben, einige Leute sind Idioten und sollten gar nicht schreiben.“