Antigona Oriental: Poetischer Ungehorsam

Südamerikanischer Laienchor | Foto: Castagnello

Volker Lösch ist umstritten. Seine Laienchöre holen die soziale Wirklichkeit auf die Bühne. Ungestörter Klassikergenuss ist da nicht mehr möglich. Stattdessen zwingen seine Inszenierungen zur Auseinandersetzung mit Problemen, die das Theaterpublikum nicht immer sehen will. Aber genau deshalb gehört Volker Lösch zu den wichtigsten Regisseuren in Deutschland und wurde im Januar mit dem Lessingpreis ausgezeichnet. Am Essener Grillo-Theater inszenierte Lösch im Vorjahr „Rote Erde“ und ließ die Verlierer des sogenannten Strukturwandels auftreten. Nun kommt seine Version von Sophokles’ „Antigone“ als Gastspiel nach Essen.

Die berühmte Tragödie um Oedipus’ Tochter nimmt Lösch zum Anlass, nach den Möglichkeiten des politischen Ungehorsams des Einzelnen gegenüber dem Staat zu fragen. Unter dem Titel „Antigona Oriental“ inszenierte er das Stück in Uruguay am Theater von Montevideo. Natürlich mit einem Laienchor: 18 Frauen, die in verschiedener Weise Opfer der Militärdiktatur wurden. Und glaubt man den Kritikern, ist Lösch hier eine genauso poetische wie politische Arbeit gelungen. Gespielt wird in spanischer Sprache mit deutschen Übertiteln.

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