Simone Nieweg: Quer durch den Gemüsegarten

| Gartenzaun mit Teppich, Gelsenkirchen 2003 (Foto: Simone Nieweg)

Simone Nieweg liebt es, durch die Gegend zu streifen. Dabei folgt sie nicht prächtigen Promenaden oder markierten Wanderwegen, sondern schaut sich dort um, wo es entspannter zugeht, wo Menschen die Natur zwar zum eigenen Nutzen gestalten, sie jedoch nicht ins Korsett von Kleingartenvereinssatzungen oder Feng-Shui-Ratgebern quetschen. Eine Übersicht über das Werk der Düsseldorfer Fotografin ist im Bottroper Quadrat zu sehen.

Ihre Bilder heißen „Bohnenstangen am See“, „Lärche am Ackerrand“ oder „Zuckerrüben, Kaarst“. Und genau so unspektakulär wie ihre Titel sehen die Fotografien auf den ersten Blick auch aus. Aus den Zutaten Pflanzen, Bodenbeschaffenheiten, Komposthaufen, Rankhilfen, Pforten, Zäune, Mauern und Hütten entstehen Niewegs Kompositionen, die unendlich unaufgeregt daher kommen, vielleicht auch, weil in ihnen weit und breit kein Mensch zu sehen ist. Und das ist gut so.

Simone Niewegs Fotos entstehen zu einem großen Teil auf so genanntem Grabeland. Hier – meist unbeachtet zwischen Autobahnzufahrten und Bahngleisen – liegt Gemeindegrund, der bis auf Widerruf zum Beackern freigegeben wird und jederzeit gekündigt werden kann. Daher stehen auf den Parzellen weder schmucke Lauben noch teuere Jägerzäune, sondern provisorisch zusammengezimmerte Hütten und Unterstände, krumme Pflanzenreihen, und, wenn überhaupt, schiefe Zäune. Nichts ist hier für die Ewigkeit angelegt, sogar die Pflanzen dürfen oft nur einjährig sein und der Selbstversorgung dienen. Verpachtet wird bis zum Ende der Saison am 30. September, danach ist Schluss, bis im nächsten Frühjahr das Land wieder von Hand umgegraben wird.

Auch wenn diese Form der Landwirtschaft auf den ersten Blick etwas chaotisch anmutet, Simone Nieweg entdeckt im vermeintlichen Durcheinander eine Ordnung. Ganz im Sinne ihres Lehrmeisters an der Düsseldorfer Kunstakademie, Bernd Becher, verläuft ihr künstlerischer Weg an sachlicher Dokumentation entlang, aber gleichzeitig entwickelt sie ihre eigene unverwechselbare Bildsprache. Die Fotografin konzentriert sich auf Licht und Schatten, Linien, optische Gewichte, Farben und Strukturen. Und je mehr sich der Betrachter drauf einlässt, desto spektakulärer erscheinen die Arbeiten von Simone Nieweg.

BB

Alle Termin Details findest du auf der Kalenderdetailseite
Laufzeit: 12.02.2012 - 27.05.2012
 

Kommentar hinzufügen

* Pflichtfeld