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Wenn es sich um eine kinderkompatible Fassung von Jacques Offenbachs „Orpheus in der Unterwelt“ handelt, dürfen in diesem Falle schon die Kleinsten gefahrlos dabei sein. Als Auftragswerk für Bayer Kultur schrieb Regisseur und Kinderautor Kay Link eine vergnügliche Kinderoperette mit viel Musik, bei der die Götter so richtig schön verrückt spielen. Das freut nicht nur junge Theaterbesucher ab acht Jahren.
Die 1858 uraufgeführte Operette nimmt die Götter des Olymps gehörig aufs Korn. Selbst im Himmel geht es ganz menschlich um irdischen Ehekrach, Doppelmoral, Betrug, Dekadenz und Korruption. Der im Kinder-Musiktheater erfahrene Autor verlagerte die Geschichte kurzerhand in ein modernes Hochhaus. Im Erdgeschoss wohnen der Musiklehrer Orpheus und seine Frau Eurydike. Im Penthouse ganz oben treibt eine lebenslustige Götter-WG ihr Unwesen. Und irgendwo in den unheimlichen Gängen zwischen Waschküche und Partykeller haust der Finsterling Pluto.
Zur Einstimmung hier eine Textprobe aus dem Alltag heutiger Götterkinder: Venus: „Warum muss es denn bei uns jeden Tag Nektar und Ambrosia zum Essen geben? Ich krieg schon Pickel von diesem Zeug.“ Woraufhin Cupido den Tipp gibt: „Unten gibt’s heute Pommes!“ Kay Link fiel die Übertragung des Stoffes leicht. „Offenbach hat witzige, quirlige Nummern geschrieben, wie z. B. das Fliegen-Duett, bei dem sich Jupiter als Fliege an Eurydike heranmacht und beide plötzlich nur noch albern summen. Da wusste ich gleich, das muss drin bleiben. Anderes musste weichen. Aber ich habe versucht, viel Wiedererkennbares einfließen zu lassen, gerade in der Götterfamilie. Wenn Papa Jupiter sich aufspielt, sich aber nicht im Haushalt beteiligt und den Putzplan nicht einhält, dann kommt das dem einen oder der anderen kleinen Zuschauer womöglich bekannt vor.“ Und nicht nur ihnen. Wenn er für Kinder inszeniere, so Link weiter, sei das immer auch ein Spaß für die älteren Geschwister oder die Eltern. Familientheater eben. Der bei „Das Gift im Lift“ auch für die Regie verantwortliche Link wünscht sich vom jungen Publikum aber vor allen Dingen eines: Neugier!
RM
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