Maja Beckmann: Die bleibt lieber hier

| Maja Beckmann in der „Dreigroschenoper“ (Foto: Diana Küster)

„Von Herne ist es ja nicht so weit, den Weg konnte ich noch selbst finden“, muss Maja Beckmann bei der Frage lachen, wie sie 2002 von ihrer benachbarten Heimatstadt aus ans Bochumer Schauspielhaus kam. Im Gespräch mit Paul Tschierske plaudert die vielseitige Darstellerin, die im März in gleich drei Stücken auf der Bochumer Bühne zu sehen sein wird, außerdem über die Unterschiede von Theater und TV, Intendantenwechsel, Textlernen und die Bedeutung von Preisverleihungen.

Angefangen hat es mit Maja Beckmann und der Schauspielerei bereits in Kindertagen. „Das begann in der Waldorfschule. Danach habe ich viel Tourneetheater gemacht, bevor ich nach Bochum kam.“ Beim Wittener Kinder- und Jugendtheater mussten die Bühnen noch eigenhändig aufgebaut werden, gespielt wurde „überall, in Turn- und Mehrzweckhallen. Damit konnte ich mein erstes Geld verdienen.“ Der Weg zum Schauspielhaus verlief zunächst klassisch, der Weg zum festen Ensemblemitglied eher glücklich. „Ich bekam durch ein Vorsprechen eine Nebenrolle in einem Kindermärchen. Als aber die Hauptdarstellerin krank wurde, hatte ich das Glück, ihre Rolle übernehmen zu dürfen. Daraufhin hat der damalige Intendant Matthias Hartmann mir gesagt: ‚Bleib doch hier, wir bilden dich aus.’“

Anselm Weber ist mittlerweile der dritte Intendant, mit dem Maja am Schauspielhaus zusammenarbeitet, obwohl es nicht unüblich ist, dass das Ensemble mit dem Intendanten weiterzieht. „Vielleicht hat mich bis jetzt noch niemand mitnehmen wollen“, erklärt die 35-Jährige zunächst nachdenklich, bevor sie grinsend anfügt: „Motto: Die bleibt lieber hier.“ Und wie schaut es mit anderen Häusern aus, in denen sie gerne einmal auftreten würde? „Beim Starlight Express könnte ich eine Schrottlok spielen.“ Sie lacht. „Nein, ernsthaft, ich spiele furchtbar gerne hier. Klar, wenn jetzt jemand sagen würde ‚du kannst am Wiener Burgtheater Wien spielen’, wäre das sicher auch aufregend.“

Neben der Bühnenpräsenz hat Beckmann immer wieder TV-Auftritte, u. a. als „Sabbel“ in der Serie Stromberg. Um derlei Karriereplanung kümmert sich ein Agent, doch wie kommt eigentlich der Agent zum Schauspieler? „Die kommen entweder auf dich zu, oder du bewirbst dich bei einer Agentur. Ich selbst habe einen Anruf von meinem jetzigen Agenten bekommen, und er hat mich gefragt, ob wir nicht zusammen arbeiten wollen.“ Die Anreize, vor der Kamera zu arbeiten, sind vielfältig. „Es macht mir Spaß, das Genre zu wechseln. Es ist schließlich nicht komplett unterschiedlich, eher wie eine andere Disziplin der gleichen Sportart.“ Der Druck beim Fernsehen sei allerdings größer, die Freiheiten geringer. „Beim Theater habe ich das Gefühl, dass ich auch mal was anderes erzählen, dass ich länger nach dem Wort suchen oder die Souffleuse fragen kann. Es ist leichter zu improvisieren als z. B. bei Stromberg, denn da sind die Dialoge ziemlich schnell. Gibt es auch nur eine kurze Pause, heißt es: ‚Stopp, Abbruch und noch mal von vorne!’. Dadurch ist es viel angespannter.“ Ein Anreiz ist die finanzielle Komponente: „Im Theater ist es zeitweilig unheimlich viel Arbeit, für eine Werbung aber sagt man einmal ‚Nehmen sie doch Toffifee’ und kriegt dafür in der Relation gesehen unfassbar viel Geld. Die Verhältnisse sind teilweise schon absurd verschoben.“

So oder so, die Bühne ist und bleibt Majas Priorität, die Menge an Auftritten variiert. „Unter Elmar Goerden hatte ich in der letzten Spielzeit sieben Stücke, die erst zum Ende hin abgespielt wurden. Das war wirklich viel, und man muss sich sehr konzentrieren, damit nichts durcheinander kommt. Im Moment spiele ich drei Stücke, was angenehmer ist. Natürlich hat man keine drei Hauptrollen. Das würde nicht gehen.“ Trotzdem bleibt eine Menge Text, der erst mal gelernt sein will, bevor es auf die Bühne geht. Tricks? „Das wäre wünschenswert, unter das Kopfkissen legen habe ich mal – erfolglos – probiert. Der Anfang ist immer das Schwerste. Dann mache ich erst mal alles Mögliche andere, sauge unter dem Bett oder dergleichen, nur damit ich nicht anfangen muss.“

2010 gewann Maja Beckmann für ihre Leistungen den Tana-Schanzara- und den Bochumer Theaterpreis. Haben Auszeichnungen einen Einfluss auf die Karriere? „Ich glaube, irgendwann helfen Preise schon, wobei es wohl auf den Preis selbst ankommt.“ Und persönlich? „Es ist eine schöne Bestätigung der eigenen Arbeit, gerade der Tana-Preis, da sie eine echte ‚Ruhrgebietsschauspielerin’ war. Das ist schon etwas Besonderes.“

www.beckmannkunst.de

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