Immer Ärger mit Herrn Kolpert

| Foto: Sebastian Hoppe

Diese Komödie ist ein Drama. Unter der Oberfläche unserer von Beherrschtheit bestimmten Zivilisation brodeln brachiale Brüche. Mit viel Liebe zum Stoff inszenierte der – Staffan Valdemar Holm sei Dank! – seit dieser Spielzeit als Regisseur am Düsseldorfer Haus fest engagierte Nurkan Erpulat „Herr Kolpert“ in bester Screwball-Tradition.

Autor David Gieselmann spielt in seinem bereits weltweit aufgeführten Stück mit dem mörderischen Gedanken: Was stört, weil es anders tickt, wird abgeschafft. Zur Not auch mittels blutiger Gewalt. Das ist überhaupt nicht komisch. Und doch ist dieser mit einer gehörigen Portion Lokalkolorit in Sachen Landeshauptstadt adaptierte Theaterabend durchweg höchst amüsant. Ein arriviertes Pärchen (Christoph Schechinger, Stefanie Rösner) residiert scheinbar selbstzufrieden in seiner Düsseldorfer Edel-Wohnung mit Hafenblick, für die Kathrin Frosch eine im wahrsten Sinne des Wortes gefährlich wandelbare Kulisse schuf. Arbeitskollegin Edith Mole (Sesede Terziyan) kommt mit ihrem anfangs noch vergötterten Gatten (Philipp Denzel) zum ersten Hausbesuch. Und schon zur Begrüßung kommt die erste Kellerleiche auf den Tisch. In der Wohnzimmer-Truhe soll der ermordete Herr Kolpert liegen. Tut er’s tatsächlich? Oder ist es nur ein schlechter Scherz?

Voller Aberwitz, grotesker Überhöhungen und mitreißender Spielfreude tobt das Ensemble perfekt besetzt vom temporär toten Kolpert (Georgios Getsios/Jens Reinhardt) bis zum erheiternd kurios und endlos sterbenden Pizzaboten (Marian Kindermann) in wachsender Geschwindigkeit durch das Stück. In diesem durchweg begeisternden Team spielt sich Sesede Terziyan als Heldin einer gelungenen Gesellschaftssatire immer weiter nach vorn. Was für ein böser, was für ein grandioser Text wird da großartig in Szene gesetzt, der laut persönlicher Aussage des Verfassers in jedem Land der Welt auf eine andere Art ins Schwarze trifft. Und, mal ehrlich: Hat nicht jeder einen Herrn Kolpert in seiner Truhe?

Regina Matthes

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