Gemotze ohne Kotze

| Foto: Birgit Hupfeld

Nach 110 deutschsprachigen Inszenierungen an so ziemlich allen größeren und kleineren Häusern und erst recht nach Roman Polanskis Kinoversion stellt sich mithin die Frage, ob eine weitere werktreue Einrichtung dieses pointierten Konversationsstücks im mal stilvollen, mal stilisierten Bühnenambiente nötig ist. Ob dieses problembewusste Stück gehobener Unterhaltung vielleicht auch eine über die Schauspielführung hinausgehende Regie vertragen könnte. Markus Lobbes hat es am Theater Dortmund versucht – und dabei das Stück beerdigt.

„Kein Realismus – keine überflüssigen Elemente“ heißt es in den Regieanweisungen, und Autorin Yasmina Reza hat in ihrer eigenen Premiere – wie viele vor und nach ihr – seinerzeit auch auf ein realistisches Bühnenbild verzichtet. Markus Lobbes indes bezieht sie auf den ganzen Abend, lässt sich vom „Gott“ im Titel zu einer betont billigen weißen Tempellandschaft mit Klopapiersäule verleiten und drapiert sein Ensemble in Lappentogas (Bühne/Kostüme: Christoph Ernst). Zwei Ehepaare verhandeln eine Rauferei ihrer Sprösslinge, aber viel mehr noch ihr eigenes bürgerliches Dasein. Eva V. Müller als Véronique („Sie sind beide grässlich.“), Axel Horst als Michel („Wir sind alle besten Willens“), Friederike Tiefenbach als Annette („Ich muss mich übergeben.“) und Ekkehard Freye als Alain („Mich belastet gar nichts.“) spielen sich einen Wolf, all dies bloß nicht glaubhaft rüberzubringen, staksen in Stöckelschuhen und zurren sich Klebeband um die Leiber.

Wenn dann aber keine Kotze auf keinem teuren Bildband und kein teures Handy in keinem Blumenwasser landet und all dies behauptet wird, aber die Regie neben überflüssigen auch die flüssigen Elemente streicht, hört der Spaß auf. Fazit: Markus Lobbes mutiger Versuch hat durchaus Erkenntniswert. Man braucht ihn nur nicht vor Publikum wiederholen.

Andreas Lammers

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