Wem gehört die Kunst?: Mehrtägiges Gemeinschaftsprojekt

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Im Februar laden der Ringlokschuppen Ruhr, Netzwerk X und Urbane Künste Ruhr zu einer mehrtägigen Veranstaltung unter dem Titel „Wem gehört die Kunst?“ ein. In Laboren sowie mit einem dreitägigen Kongress soll die Rolle der Kunst und die Lage von KünstlerInnen in der Region untersucht werden.

Kunst ist allgegenwärtig und beliebt: in Form von Werken, aber auch mittels Gebäuden, Events sowie Preisen – oder Kosten. Hinter den Artefakten, Orten und Zahlen stehen oftmals Künstlersubjekte, die unter prekären Verhältnissen leben und arbeiten – von Projektantrag zu Projektantrag. „Wir werden dadurch nicht glücklicher und wir werden nicht besser“, hebt Stefan Schroer von Netzwerk X das Problem hervor, dass Kulturschaffende zu Managementsubjekten abgestellt werden.

Was bedarf Kunst?

In die Lücke von Großförderung und individueller Unterstützung will nun eine neue Landesförderung treten: die „Individuelle Förderung von Künstlerinnen, Künstlern und Kreativen (IKF)“. Damit soll für „bessere Arbeits- und Lebensbedingungen von KünstlerInnen und Kreativen in NRW gesorgt werden“. Doch was bedarf eine individuelle Förderung überhaupt? Diese Frage stellt sich bei „Wem gehört die Kunst?“ im Ringlokschuppen Ruhr. Aufgrund der politischen Entwicklungen soll das Projekt zudem Raum bieten für Überlegungen, was Kunst für die Gesellschaft bedeutet. „Wir leben in einer Zeit politischer Zuspitzung, und man fragt sich als Künstler oder Theatermacher, was mache ich? Ist es das Richtige?“, sagt Sebastian Brohn, Dramaturg am Ringlokschuppen Ruhr. Und Stefan Gassner, der die Produktionsleitung bei „Wem gehört die Kunst?“ übernimmt, betont: „Gerade die Überschneidung von Kunst und Politik ist mir sehr wichtig“. Daher sind für den Kongress all jene angesprochen, die sich mit solchen Fragestellungen auseinandersetzen wollen – ob künstlerisch tätig und/oder sozial und politisch engagiert.

Mit „Wem gehört die Kunst?“ soll nicht die Gültigkeit der „IKF“ bestätigt werden, sondern ein offener und konstruktiver Dialog darüber stattfinden: Ist eine individuelle Künstlerförderung überhaupt das Richtige, oder wird damit Vereinzelung gefördert, werden fitte Künstler-Ich-AGs hervorgebracht, obwohl Netzwerke, Kollektive, und Solidarität untereinander, sowie eine gute Verbindung zu Institutionen im Vordergrund stehen sollten?

„Initiationsritus“

Daher stellt der Kongress ein „Initiationsritus“ dar, wie Sebastian Brohn betont, an den eine weiterführende Projektphase anschließt: „Wir versuchen herauszufinden, welche Form der Unterstützung freie KünstlerInnen und Kollektive im Ruhrgebiet, die sich im Spannungsfeld von Kunst und Sozialem bewegen, für ihre kreativen Prozesse benötigen?“, sagt Katja Aßmann, Künstlerische Leiterin von Urbane Künste Ruhr. Tobias Fritzsche vom Ringlokschuppen Ruhr akzentuiert den kollaborativen Aspekt: „Wir wollen herausfinden, wie man Individuen zu einer Landschaft stärken kann“.

Wie drängend diese Fragen sind, verdeutlicht Künstler Fabian Jung: „Wenn alle Geld brauchen, aber gleichzeitig eine künstlerische Identität aufbauen und entwickeln müssen, ändert sich dieser Zustand nicht über ein schönes Bild von Kunst, sondern über Solidarität. Im Raum sollte nicht die Feststellung stehen, dass wir beide Künstler sind, sondern dass wir arm sind.“

Herausforderung Vielfalt

Wie verfährt eine Gesellschaft mit ihren Künstlern? Geht Kunst nur noch einen Schulterschluss mit der Kreativwirtschaft ein? Wird nur noch jene Kunst gefördert, die eine Verwertungskette öffnet? Oder soll eine lebendige und abwechslungsreiche Kulturlandschaft ermöglicht werden, die nur eine Chance hat, wenn künstlerisch tätige Menschen aus ihren ökonomischen Zwängen gelöst werden?

Die Herausforderung ist groß: Denn Projektanträge decken bisher weder den Gang in den Supermarkt noch die kaputte Heizung, gleichzeitig verschwinden urbane Freiräume, Jobs sind schlecht bezahlt – Künstlertum muss man sich leisten können. Darum hat die Diskussion über die Rolle der Kunst und die Form einer angemessenen Künstlerförderung eine gesamtgesellschaftliche Perspektive. Es wird nicht weniger die Frage diskutiert als: Wie wollen wir leben?

Wem gehört die Kunst?: 24.–26.2. (Kongress), Ringlockschuppen, Mülheim