Universum (verschwommen): Lukas Und entwerfen Parallelwelten

Ausnahmezustand: Lukas Und | Foto: Lukas Und

Hü oder Hott, hopp oder top? Gemeinhin gilt Entscheidungsfreudigkeit als positiv. Wer sich nicht klar positioniert, guckt in die Röhre. Fernab vom schnellen Entweder-Oder-Zeitgeist, entwirft das Düsseldorfer Künstlerkollektiv Lukas Und Parallelwelten. Eine davon, das „Universum (verschwommen)“, ist im Februar auf der Bühne zu bewundern.

„Wir entwerfen Paralleluniversen, in denen wir Mensch und Welt, Material und Körper auf besondere Weisen aufeinandertreffen lassen können“, beschreiben Alice Ferl, Stine Hertel und Johanna Seitz ihre Arbeit. Das verschwommene Universum, ein Teil der Theater-Trilogie der Düsseldorfer, soll dabei „weder ein Lösungsvorschlag noch eine Drohung“ sein, sondern lediglich ein Gedankenspiel. Dabei inszenieren sie auf der Bühne eine Neuordnung, während sich ein Parlament, ein Thronsaal und ein Chemielabor übereinander legen und – verschwimmen. Dabei ist die Vermischung, das Unbestimmte, keinesfalls ein Nachteil, wie das Kollektiv erklärt: „Unklarheiten strukturieren Orientierung und Bedürfnisse neu und eröffnen die Möglichkeit, sich in Grauzonen aufzuhalten, anstatt Verschwommenes als visuelles oder strukturelles Manko zu verwerfen.“ Sie gehen sogar noch weiter und sind sicher: „Unordnung, Auflösung und Ausnahmezustand bedeuten eben auch Rausch, Ansteckung, heillosen Spaß.“

Am Universum rütteln

Logisch, dass es so etwas wie abgesteckte Grenzen im von Lukas Und geschaffenen Theaterraum nicht gibt. Fünf bis sechs Personen oder Wesen sind dort zugegen und verwandeln die Bühne in stetig neuen Gewändern. Niels Bovri, ein Sound-, Raum- und Performancekünstler, Jascha Fidorra, angehender bildender Künstler und Kunstlehrer, und Maykon Junkes, Schauspieler und Performer, rütteln dabei zusammen mit dem Performancetrio am Universum. Nichts wird in seinem ursprünglichen (Aggregat-)Zustand gelassen, alles wird geprüft, vorgeführt, neukombiniert. Ob Wissenschaft, Gegenstand oder Geschlecht. Ein großer Vorteil des Theaterraums, wie die Drei bemerken: „Im Alltag gibt es ausreichend Strategien für einen rein pragmatischen Umgang mit unserer Umgebung – das Theater dagegen kann ein Ort sein, an dem die gewohnten Bedingungen in Frage gestellt werden können, ein Raum für produktives Unbehagen.“ NaB