Wagner kann warten: André Wagners "Visions of Time"

coming down, 2010, N. Y./USA, series: inside view | Foto: André Wagner

Früher malte er mit der Sprühdose, heute zeichnet er mit dem Feuer: der Künstler und Fotograf André Wagner. Derzeit ist sein Werk, das 2013 noch auf der Biennale in Venedig zu sehen war, erstmalig in Düsseldorf ausgestellt. In der Galerie Angelika Blaeser.

Unter dem Titel „Visions of Time“ zeigt der landeshauptstädtische Ausstellungsraum rund zwanzig Fotoarbeiten von Wagner, darunter auch jene aus Venedig. Exotische Orte, unberührte Landschaften und nächtliche Metropolen – das sind die Motive des Wahlberliners, der nie eine Kunsthochschule von innen gesehen hat. Seit 2002 arbeitet der 1980 im Osten Deutschlands Geborene als freier Fotograf. Seine Aufnahmen erscheinen regelmäßig in Magazinen wie „Geo“, „Stern“ oder „Rolling Stone“. Wagner fotografiert bevorzugt nachts, schickt verschiedene Lichtträger durch das Dunkel des Raums und hält ihren Verlauf mittels Langzeitbelichtung im Bild fest. Einen „Magier des Lichts“ hat ihn die Kunsthistorikerin Wibke von Bonin genannt.

Der Hauptstädter ist kein Dokumentar. Vielmehr setzt er seine Motive in Szene wie ein Modefotograf es mit seinen Models tut. Er offenbart dabei stets einen völlig eigenen Blick auf die Dinge. Wagner kann warten. Er lässt sich Zeit, bis Licht, Motiv und Wahrnehmung stimmen. Erst dann drückt er den Auslöser seiner Mittelformatskamera. Orte, die er ins Bild setzt, findet er auf der ganzen Welt. In Neuseeland, den USA oder Indien. Gerade letztgenanntem Land ist er besonders zugetan, auch weil es spirituell von großer Offenheit ist.

Der Mensch glänzt in Wagners Arbeiten übrigens meist durch Abwesenheit. Taucht er doch einmal auf, wirkt er einsam, verloren. Oder er löst sich in der Menschenmenge in der verstreichenden Zeit der Belichtung auf. So gelingt es dem Mittdreißiger die Zeit einzufangen, ihren Verlauf sichtbar zu machen.

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