Mitarbeiter des Düsseldorfer Schauspielhauses melden sich zu Wort

Im Gespräch: Das Düsseldorfer Schauspielhaus | Foto: Sebastian Hoppe

Keine künstlerische Krise

„Es gibt keine künstlerische Krise“, schreiben die rund 350 Mitarbeiter des Düsseldorfer Schauspielhauses am Sonntag in einem offenen Brief. Adressiert ist dieser an die Stadt Düsseldorf, das Land NRW und – die Presse.

Zuletzt war das größte Sprechtheater in NRW durch ein Finanzloch in Höhe von 5,4 Millionen Euro in die Kritik geraten. Wirtschaftsprüfer wurden mit einer Sonderprüfung beauftragt, NRW-Kulturministerin Ute Schäfer (SPD) schaltete sich ein. Von Verschleierung der Zahlen und Informationen war die Rede. Wer letztendlich die Verantwortung für das verbaselte Geld trägt, soll Mitte Februar feststehen.

Ein erneuter und überhasteter Intendantenwechsel stellt für die Mitarbeiter jedoch in keinem Fall eine adäquate Lösung dar: „Wir, die Mitarbeiter des Düsseldorfer Schauspielhauses, empfinden diese Vorgänge als in höchstem Maße destabilisierend, störend und hinderlich für unsere Arbeit.“

Erst im November 2012 hatte Manfred Weber, der zuvor als langjähriger kaufmännischer Geschäftsführer am Haus tätig war, Staffan Valdemar Holm als Interimsintendant abgelöst. Dieser musste aufgrund von Burnout-Anzeichen zurücktreten. Seitdem seien die Auslastungszahlen noch gestiegen, betonen die Mitarbeiter.

Die eigentliche Krise sehen diese in der „Kulturpolitik der Stadt Düsseldorf und der Landesregierung, die es versäumt haben, durch eine rasche Entscheidung Zeichen zu setzen“. Wie diese Zeichen genau aussehen könnten, ist dem Brief nicht zu entnehmen. Ein weiteres Ärgernis aus Sicht der Schreiber stellt die Darstellung des Hauses in den Medien dar. Erst kürzlich war in der „Bild“-Zeitung eine Falschmeldung erschienen, die berichtete, dass Sven-Eric Bechtolf die künstlerische Leitung in Düsseldorf übernehme. Das Dementi von Bechtolf, der Stadt Düsseldorf und dem Land folgte prompt.

Die Vorwürfe der Mitarbeiter jedoch wiegen schwer. So heißt es im Brief, „man wolle eine Krise regelrecht herbeischreiben und kulturpolitische Machtkämpfe auf dem Rücken des Düsseldorfer Schauspielhauses austragen“. Eine Trennung zwischen der künstlerischen Leistung und der finanzpolitischen Umstände findet in der Presse jedoch längst statt. So wurde das Stück „Supergute Tage“ von der Rheinischen Post vor kurzem als „Sternstunde am Jungen Schauspielhaus“ bezeichnet. Die Frage nach dem Grund der fehlenden 5,4 Millionen Euro bleibt jedoch berechtigt.

Den Mitarbeitern des Schauspielhauses ist zu wünschen, dass die Umstände des Millionenverlusts schnell und umfassend aufgeklärt werden, damit das künstlerische Schaffen bald wieder im Vordergrund steht.

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