Meckerecke: Düsseldorfs Probleme auf die Bühne geholt

| Foto: Christian Hermann

„Was ärgert Sie?“ oder „Glauben Sie, dass Sie eine Stimme in der Stadt haben?“ sind nur zwei Fragen aus dem Katalog von Verena Billinger und Sebastian Schulz. Während des Projekts Kummerkasten Meckerbox, bei dem das Künstlerduo im September vergangenen Jahres eine Holzhütte mit Zweier-Bestuhlung an verschiedenen Orten in Düsseldorf aufstellte, kamen einige Themen zur Sprache. Meckern war ausdrücklich erlaubt.

Für die richtige Atmosphäre sorgte schon die Umgebung: „Der Innenraum der Hütte ist freundlich, die Decke aus Plexiglas. Das war ein sehr intimer und abgeschiedener Ort“, so Billinger. Der Einstieg fiel dennoch nicht immer leicht: „Manchmal wussten die Leute erst nicht, was sie sagen sollten. Aber dann sind die Antworten sehr spezifisch geworden.“ Im Durchschnitt blieben die Gesprächspartner der Meckerkasten-Insassen ganze vierzig Minuten. Gesprächsbedarf gab und gibt es also zur Genüge.

Im Durchschnitt blieben die Gesprächspartner vierzig Minuten.

Neben Themen wie den stetig ansteigenden Mieten in der Landeshauptstadt, beobachtete manch einer auch eine Veränderung im Umgang miteinander, wie Verena Billinger erzählt: „Ein großes Thema bei den Leuten um die Fünfzig war, dass sie in den letzten zwanzig Jahren eine Entsolidarisierung festgestellt haben. Dass der Ton in der Gesellschaft rauer wird.“ Entgegen dem Klischee, dass zumeist ältere Menschen verbale Kritik anbringen, besuchten aber auch viele jüngere Düsseldorfer die Hütte. Liebeskummer, Ausweglosigkeit und Probleme mit den Eltern kamen zur Sprache. Nun gilt es für Billinger & Schulz, das Gesagte auf die Bühne zu bringen. Im Stück „Kummerkasten Menschenstadt“, das vom 6. bis 8. Februar im Düsseldorfer FFT Juta zu sehen ist, verarbeiten die beiden insgesamt dreißig Stunden Tonbandmaterial. Zusammen mit den fünf Darstellern wurden besonders prägnante Aussagen ausgewählt. Hüttenelemente stehen im Stück selbstverständlich mit auf der Bühne. Die Schauspieler schlüpfen in die verschiedenen, vor Ort getroffenen Charaktere. Das Ganze wird nach Themen wie „Familie“ oder „Beruf“ sortiert. Billinger bringt das Stück auf den Punkt: „Man kann es als Sozialchoreographie beschreiben.“

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