Gil Bronner: Der Kunst-Gebäudekäufer

Gil Bronner

Seine Passion ist das Sammeln junger Gegenwartskunst, seine Profession das Immobiliengeschäft. Beides weiß Gil Andreas Bronner ideal zu verbinden – er kauft alte Industriegebäude und saniert sie für die Kunst.

Zum Beispiel die ehemaligen Leitz-Werke auf der Walzwerkstraße in Düsseldorf-Reizholz. 2006 erwarb Gil Bronner das Gebäude, in dem früher die Leitz-Ordner hergestellt wurden, und machte daraus ein Atelierhaus mit rund siebzig Künstlerateliers, die größtenteils über das Kulturamt der Stadt vermietet werden. Außerdem finden sich hier die Ausstellungsräume für Bronners Sammlung Philara – der eigentliche Grund für den Kauf des Objekts, denn die exponentiell wachsende Sammlung junger Kunst verlangte nach Lagerräumen und Platz. Jährlich finden hier vier bis fünf Wechselausstellungen statt; im Untergeschoss zeigen Akademieklassen ihre Arbeiten.

Dass der studierte Betriebswirt einmal unter die Sammler gehen würde, hätte er sich früher nicht träumen lassen, obschon er mit Kunst aufgewachsen ist – seine Eltern sammeln Werke der klassischen Moderne. „Ich habe das nicht abgelehnt, aber ich habe mich auch nicht so wahnsinnig dafür interessiert, wenn auch mehr als der Durchschnittsjugendliche.“ Erst Anfang der 90er Jahre, als Gil Bronner mehrheitlich in Leipzig lebte und dort Kontakt zur Leipziger Schule bekam, fing er an, ernsthaft Kunst zu kaufen. Heute umfasst seine Sammlung rund tausend Arbeiten, zu etwa je einem Drittel Malerei, Papierarbeiten aller Couleur und Bildhauerei. Alles bis auf wenige Ausnahmen zeitgenössische junge Kunst, „ich finde es besser, wenn man in seiner Generation bleibt“.

Sammler ohne Konzept

Wer Kunst sammelt, meint man, tut dies nach bestimmten Kriterien. Gil Bronner ist da anders, er kauft, was ihm gefällt. „Ich habe letztlich versucht zu analysieren, was ich alles gekauft habe und musste feststellen, dass ich tatsächlich kein Konzept habe. Ich bin wahrscheinlich der desorganisierteste und erratischste Sammler, den ich kenne.“ Idealerweise sollte eine ausgewogene Balance zwischen der ästhetischen und der intellektuellen Ebene eines Werkes herrschen. „Guter Kunst sieht man die Intelligenz an, die dahintersteckt“, sagt Bronner. „Das strahlt ein Bild dann einfach aus.“ Nicht negieren könne man natürlich den Preis. „Es darf einfach nicht zu teuer sein und muss im Verhältnis zur Vita des Künstlers stehen.“ Wichtig sei auch ein Blick auf das Gesamtwerk sowie der persönliche Kontakt zum Künstler. Bronner kennt die meisten Urheber der von ihm erworbenen Arbeiten, „das macht für mich einen wesentlichen Unterschied in der Rezeption.“

Für die Düsseldorfer Kulturszene ist der Mann ein echter Glücksfall. Auch die jüngst abgeschlossene Sanierung des Musikbunkers am Gather Weg ist ein Bronner-Projekt, und das nächste wirft bereits seine Schatten voraus: Auf der Birkenstraße hat Gil Bronner das Hinterhofgelände von Glas Lennarz gekauft, deren 1 700 qm große Industriehalle er zu einem Privatmuseum umbauen wird – dann zieht die Sammlung Philara nach Flingern, wo sie wie schon jetzt zu festen Zeiten besichtigt werden kann. Der Presse war zu entnehmen, dass Bronner auch für das geplante Ballettzentrum im alten Rheinbahndepot im Gespräch ist, „da kann ich aber leider nichts zu sagen“. Bekommt ein Investor wie er viel Unterstützung von Seiten der Stadt? Bronner sagt, er sei sicher, dass die Stadt sich freue, stelle ansonsten aber keine Forderungen, „das wäre auch nicht richtig, es ist ja meine private Angelegenheit“. Und was die Kulturförderung im Allgemeinen angeht, stellt er fest: „Trotz aller Kritik, die ständig aufbrandet, tut Düsseldorf viel mehr als jede vergleichbare Stadt in Deutschland oder sogar Europa. Ich wüsste nicht, wo man sich noch an die Stadt wenden kann, wenn man als Künstler ein Atelier sucht.“

Weitergehende Pläne über Flingern hinaus hat Gil Bronner zurzeit nicht. Damit habe er erst mal genug zu tun, das sei eine echte Herausforderung. Was ihn allerdings „wahnsinnig reizen würde“, ist das alte Capitol-Theater am Worringer Platz. „Das ist ein ganz tolles Gebäude“, begeistert sich Bronner, die Eigentümer hätten allerdings recht hohe Preisvorstellungen. „Und da ich mittlerweile gelernt habe, wie teuer so ein Umbau ist, war es vielleicht mein Glück, dass sie nicht weniger verlangt haben. Sonst hätte ich es womöglich gekauft und wäre gescheitert.“ Ein Theater ist sein Wunschprojekt, „das würde mir total viel Spaß machen. Aber die Preise sind leider ähnlich wie am Kunstmarkt – völlig außer Rand und Band.“

 

 

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