Königinnen der Avantgarde: Henri – Model – Arbus. Menschenbilder

Lisette Model: Coney Island, Bather Standing (New York, 1939-1941)

Mit Florence Henri, Lisette Model und Diane Arbus stellt die Situation Kunst in Bochum derzeit drei der einflussreichsten Fotografinnen des 20. Jahrhunderts vor, die in jeweils unterschiedlichen Dekaden die ästhetischen Neuerungen in der westlichen Hemisphäre entscheidend mitprägten.

Entscheidend für die Auswahl der Künstlerinnen war aber nicht allein ihre jeweilige Bedeutsamkeit, sondern auch und gerade die lebens- und werkgeschichtlichen Überschneidungen.

So lässt sich Lisette Model (1901–1983) anno 1937 in Paris von Florence Henri (1893–1982) unterrichten, die zuvor bei Lászlo Moholy-Nagy am Bauhaus studiert hat und mit ihren an die konstruktivistische Formensprache angelehnten Spiegelkompositionen, Fotomontagen und Portraits als Repräsentantin des „Neuen Sehens“ galt. 1938 emigriert Model in die USA, wo sie in New York schnell zu einer der prominentesten Fotografinnen avanciert. Insbesondere ihre provokanten Momentaufnahmen von gesellschaftlichen Randfiguren sollten ihre spätere Schülerin Diana Arbus (1923–1971) maßgeblich beeinflussen. Deren „zeitgenössische Anthropologie“ erscheint manch zarten Gemütern noch heute wie eine groteske Horror Picture Show. Dabei sind Arbus’ Aufnahmen von Transvestiten oder Behinderten alles andere als sensationslüsternd – vielmehr war die Fotografin davon überzeugt, „dass es Dinge gibt, die niemand sehen würde, wenn ich sie nicht fotografiert hätte“.

Die rund fünfzig Exponate umfassende Schau trägt den Titel „Menschenbilder“ und zeigt genau das: Bilder von Menschen; sehenswerte Fotografien, anhand derer sich die Zeit ihres Entstehens und die Handschrift der jeweiligen Künstlerin deutlich ablesen lassen.

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