Tipps aus dem Programm von RuhrHOCHdeutsch 2013

Humor ist Geschmackssache und bei RuhrHOCHdeutsch ganz besonders. Unter der Woche wechselt das Programm auf der Bühne und auf dem Teller täglich. Pünktlich zum Beginn des Vorverkaufs hier einige persönliche Empfehlungen zum Programm.

Montags gibt es Pommes, Currywurst, Bier und dazu jede Woche einen neuen Gast.

Abdelkarim

Als erster tritt Abdelkarim mit seinem Programm „Zwischen Ghetto und Germanen“ auf. Er erzählt von seinem Leben als Marokkaner in der Bronx (Bielefeld!), „dem ghettowürdigsten-Ghetto-Deutschlands“. Ob es im Zelt nicht zu warm für seine „original Kunstlederjacke“ sein wird, bleibt abzuwarten. Fest steht, dass er sich nicht an Kategorien wie Comedy oder Kabarett hält und damit ziemlich erfolgreich ist. Den Prix Pantheon 2012 hat er nicht gewonnen, dafür aber mich als Fan.

Nach dem Mann aus der Stadt, die es nicht gibt, geht es eine Woche später wieder um die Nicht-Existenz. Thomas Koch liest in „KOCHLIST - CHOSTWRITER“ aus Büchern vor, die nie geschrieben wurden und trägt auch seine Rezensionen dazu vor. Diese Texte wiederum kann man in seinem Buch „BuchBuch“ nachlesen. Das klingt ziemlich abgedreht, könnte aber sehr lustig werden. Nur nicht für Menschen die glauben, dass alle Literaturrezensenten die Bücher gelesen haben, über die sie berichten.

Es soll ja auch Bücher geben, um Schlagfertigkeit zu lernen. Die Mutigen gehen zu Sascha Korf, wenn er mit „Wer zuletzt lacht denkt zu langsam“ gastiert. Wer nur zugucken will, ist bei dem „Crashkurs für ein flottes Mundwerk“ falsch! Sascha Korf ist davon überzeugt, dass man Spontanität lernen kann und kündigt „witzige Spontanitätsübungen“ an. Sicherlich ein Abend, auf den man sich einlassen muss, aber wenn's hilft.

Nils Heinrich „weiß Bescheid“, behauptet aber von sich selbst: „Mich kennt ja keine Sau“. Warum? Weil er nur nach 23 Uhr im Fernsehen zu sehen sei, im Dritten Programm, wenn nur Bettlägrige zusähen, die einmal die Stunde gewendet werden müssten. Daher werde ihm öfter mal im Foyer ein Ticket für seine eigene Show angeboten, zu der er ja freien Eintritt hat. Damit das nicht mehr so oft passiert: Ticket kaufen, hingehen und zuhören, wie er unseren Alltag auseinandernimmt. Das Eintrittsgeld wird sich sicherlich lohnen.

ONKeL fISCH

Ganz andere Probleme zeichnen sich bei ONKeL fISCH im Programm „Auswandern gilt nicht“ ab. 2013 ist schließlich das Jahr ohne Fußball EM und WM, noch nicht mal Olympische Spiele stehen an. Mit welcher Begründung sollen wir also den Sommer über die Außenspiegel unserer Autos in schwarz-rot-golden verhüllen? Vielleicht haben ONKeL fISCH eine Antwort, vielleicht auch nicht. Auf jeden Fall versprechen Adrian Engels und Markus Riedinger eine durchgeknallte „100.000 Volt Show“.

Dass seit Aschermittwoch nicht alles vorbei ist, beweisen Siegfried & Roy und Franziska Mense-Moritz aus dem Geierabend-Ensemble. Dreimal treten sie gemeinsam auf, den Rest der Auftritte dienstags teilen sie sich. Zu den Eigengewächsen vom Fletch Bizzel auf der Bühne gibt es heimische und exotische Leckerbissen beim 5-Gänge-Menü. Da könnte man schon fast vom Rundum-Glücklich-Paket sprechen.

Mittwochs lädt Lioba Albus ein: „HerzDame sticht - Die Highlights der KomikerInnen-Zunft zu Gast bei Mia Mittelkötter“. Bei den Abenden mit der Wahl-Dortmunderin könnte man ein „Achtung, Östrogen!“-Schild aufhängen, denn sie hat sich vor allem Frauen eingeladen. Dabei wird es wohl nicht ausbleiben, dass die Männer schlecht wegkommen. Auch Anka Zink beschäftigt sich in „Sexy ist was anderes“ nicht nur mit Twitter, Apps, Spielekonsolen und Fehlern in der Hardware, sondern auch mit der Männer und Frauen-Problematik und dem Älterwerden (auch so ein Trend gerade, also nicht das Älterwerden, sondern die Verarbeitung des Themas auf der Bühne). Sie gehört zu denen, die dabei trotzdem lustig sind. Für den Rest dieses Programmes muss man wohl das passende Alter erreicht haben.

Das sieht bei der Hartz-Vegas-Segers-Band und Bruno „Günna“ Knust schon wieder anders aus. Nicht nur als Fußballfan weiß man, wo an den spielfreien Donnerstag verbringen kann, wenn Günna sein Heimspiel bestreitet. Er hat einfach zu allem was zu sagen.

Matthias Deutschmann, Foto: Albert Josef Schmidt

An den Wochenenden stehen die Highlights und einige Wiederholungstäter auf dem Programm. Gleich zu Anfang tritt Matthias Deutschmann auf, der im Programm einer der Vertreter des klassischen Kabaretts ist. Was bei ihm leicht daher kommt, hat Tiefe und lässt einem oft das Lachen im Halse stecken.

Ziemlich intelligent ist auch das Programm von Jochen Malmsheimer, dessen Liste an Preisen stetig wächst und das mit Recht. Wer den Titel seines aktuellen Programms aussprechen kann, hat sich auch einen verdient. „Ermpftschnuggn trødå - hinter Staunen kauert die Frappanz.“ befasst sich wieder (unter anderem) mit unserer Sprache. Einfach hingehen und sich selbst belohnen.

Bei Fritz Eckenga sind „Alle Zeitfenster auf Kippe“. Er regt sich wie gewohnt über einiges auf, vor allem über die neuen Experten, die jetzt überall befragt werden: „Promi-Frisöre zum Klimawandel, Bild-Redakteure zur Menschenrechtscharta, 5-Sterne-Generäle zum Pazifismus, Bank-Vorstände zur Steuermoral, katholische Bischöfe zur Kindererziehung.“ Er rät zum Durchlüften und zur Flucht ins Grüne, ich zum Besuch des Spiegelzeltes.

Frank Goosen erzählt von seinen Themen „Heimat, Fußball, Rockmusik. Ein bisschen was vom Besten“. Das macht er schon lange, aber gut. Wieso also etwas ändern? Neben den alten Geschichten wird es die eine oder andere neue zu erzählen geben. Dabei wird er sicherlich auf das noch abzuwartende Abschneiden des VfL Bochum in der aktuellen Bundesligaspielzeit zu sprechen kommen.

Richard Rogler

Zu empfehlen ist auch Richard Rogler, der immer wieder mit den Worten „Das müssten Sie mal sagen, Herr Rogler!“ angesprochen wird. Darunter sind einige Aureger und er vermisst manchmal die Verbindung „vom Maul zum Gehirn“ aber er macht es trotzdem. Oder gerade deswegen. Schließlich lebt der Mann unter anderem davon, sich aufzuregen, unterhält sein Publikum damit glänzend und ist dabei stets aktuell.

In die Vergangenheit führt der Abend mit Robert Kreis, der Lieder der 20er-Jahre singt. Diese kann man als seichte Unterhaltung abtun, aber auch den oft hintergründigen Witz darin erkennen. Robert Kreis macht daraus Entertainment der besonderen Art und spart auch nicht mit Seitenhieben auf unsere Zeit.

Thomas Freitag, Foto: Pepijn Vlasman

Thomas Freitag tritt als „Der kaltwütige Herr Schüttlöffel" auf. Der Bibliotheksangestellte wehrt sich mit radikalen Mitteln gegen die Schließung seiner Bibliothek. Er tobt sich aus über 'Alternativlosigkeit', das Sparen an der Kultur und Bildung und anderen Irrsinn. Ein Video-Ausschnitt aus seinem Programm löst spontan den Drang aus, es noch vor dem Festival zu sehen – und dann wieder.

Das gilt auch für „FREAKS. Eine Abrechnung“ vom Kom(m)ödchens, aber das ist ja ständig ausverkauft. Also schnell Karten für die Mischung aus Kabarett, Theater, Stand-up und Musik sichern. Ehring, Maike Kühl und Heiko Seidel spielen, singen und tanzen in dem Stück, das im Autorenbüro einer fiktiven Fernsehshow spielt. Wer den Co-Autoren Christian Ehring aus Extra 3 und der heute-show kennt, weiß, dass die Pointen sitzen.

Jochen Busse war früher Ensemblemitglied vom Kom(m)ödchen und erzählt heute, wie so viele anderen Gäste des Festivals, über das Älterwerden. Von „Wie komm ich jetzt da drauf?“ ist aber mehr zu erwarten, denn wegen seiner Auftritte als Schauspieler und Moderator sollte man nie vergessen, dass er ein sehr spitzzüngiger Kabarettist ist.

„Der Künstler ist anwesend“ ist der Titel des Programms von Jürgen Becker, der damit eine Lanze für die bildende Kunst bricht. Im Gegensatz zur Kleinkunst kann man sich die ja an die Wand hängen. Aber wer traut sich denn zu einer Vernissage? Wer nicht als Kunstbanause auffallen möchte, kann hier auf unterhaltsame Art und Weise seine Wissenslücken füllen.

Kai Magnus Sting, der wie Jürgen Becker durch Hanns Dieter Hüsch ins Kabarett gefunden hat, tritt auf wie ein Bankkaufmann. Aber das Äußere täuscht! Bei seiner Sprechgeschwindigkeit kommt kein Finanzdienstleister mit und während Kontoauszüge meistens nur für Tränen sorgen, löst er diese vor lauter Lachen aus. In „Hömma, weiß Bescheid!“ erzählt er Geschichten aus dem Pott im besten Ruhrdeutsch.

Der coolibri könnte auf Hubert Burghardt sauer sein, weil er sich über „Herz beißt Haifisch“-Partys lustig macht und uns dieser Titel irgendwie noch bekannt vorkommt. Aber scheint, dass der Mann mit „Sex in der Krise. Ein gesellschaftspolitischer Rundumschlag“ ziemlich lustig ist. Und er erzählt nicht nur, er singt und spielt dazu Gitarre und Klavier. Wohl nie gleichzeitig, aber man kann ja nicht alles haben.

Arnulf Rating, Foto: Linn Marx

Arnulf Rating macht den „Stresstest Deutschland“. In verschiedenen Rollen spricht er die Missstände des Zeitgeschehens an. Da wünscht man sich fast, dass weiterhin so viel schief geht, nur damit er sich darüber aufregen kann. Er gehört eindeutig in die Kabarettistenkategorie AAA.

Dieter Hildebrandt beschließt mit seinem Programm „Ich kann doch auch nichts dafür“ RuhrHOCHdeutsch 2013. Der oft als 'Grandseigneur' oder 'Urgestein' bezeichnete Kabarettist hat seinen Biss in all den Jahren zum Glück noch nicht verloren.

"RuhrHOCHdeutsch" 27. 6.-13.10. Spiegelzelt, Dortmund

ruhrhochdeutsch.de

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