Folkwang Uni: Finale mit Tango

Auftaucher | Foto: Ursula Kaufmann

Drei Uraufführungen, drei Choreographinnen, drei Generationen Folkwang – der neue Abend im Folkwang Tanzstudio vereint sehr unterschiedliche Bewegungssprachen; leider auch in sehr unterschiedlicher Qualität.

Genug Abwechslung bietet dieses Programm auf jeden Fall, langweilig werden diese fast zwei Stunden kaum und einen Crash-Kurs in Stilistik des zeitgenössischen Tanzes bekommt der Zuschauer nebenbei noch mitgeliefert.

Den Auftakt macht die jüngste der drei Choreographinnen. Fang Yu-Shen wurde 1982 in Taipeh geboren und machte 2011 als erste überhaupt ihren Master in Tanzkomposition in Essen. In der gut vierzigminütigen Arbeit „For The Unsaid“ sind ihre ostasiatischen Wurzeln deutlich zu spüren, doch auch wenn immer wieder schöne, meditative Bilder gelingen, findet das Stück im Ganzen nicht zu einem Rhythmus und bleibt letztlich eine Sammlung guter und weniger guter Ideen.

Ganz anders das zweite Stück des Abends. Mit „Birke“ liefert Malou Airaudo eine konzentrierte Studie über das Fallen, Aufgefangenwerden und das Halten der Balance. Airaudo ist seit 1984 Professorin an der Folkwang Hochschule und durch ihre Kooperationen mit den Streetartisten von Renegade am Schauspielhaus Bochum bekannt. In „Birke“ zeigt sich aber vor allem eine andere wichtige Etappe ihres künstlerischen Werdegangs: Zehn Jahre tanzte Airaudo im Ensemble von Pina Bausch. Bis heute stammt ihr gesamtes Bewegungsrepertoire von der Grande Dame des deutschen Tanztheaters, ohne allerdings die Poesie oder Brillianz der Bausch’schen Inszenierungen zu erreichen.

Das Beste kommt wie so oft zum Schluss. Henrietta Horn, die bis 2008 das Folkwang Tanzstudio künstlerisch leitete, zeigt mit „Auftaucher“ eine Choreoraphie, die feinsinnigen Humor, großartige Ensembleszenen, und tänzerische Klugheit verbindet. Auf der Basis von Tango-Figuren erzählt sie von Annäherung, Konkurrenz, Erotik und Kampf. Das macht einfach Spaß, weil die Entstehung der Arbeit selbst für Tanz-Laien so nachvollziehbar ist.

Dass das gesamte Ensemble exzellent tanzt, braucht kaum erwähnt zu werden. Interessant ist aber, dass auch die Präzision der Ausführung mit der Erfahrung der Choreographinnen zunimmt.

 

folkwang-uni.de

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