Die Luft ist klar: FAZ-Autor Andreas Rossman über das Ruhrgebiet

Rauch der Vergangenheit | Foto: Barbara Klemm

Die Luft ist klar

Vergangenes Jahr veröffentlichte der Publizist und NRW-Korrespondent der FAZ Andreas Rossmann mit „Der Rauch verbindet die Städte nicht mehr“ eine Zusammenstellung seiner Berichte und Reportagen zum Ruhrgebiet. Im Februar und März wird er das Buch im Rahmen von Lesungen präsentieren. Vorab sprach Philip Stratmann mit ihm über das Buch, die Entwicklung des Ruhrgebiets und die Luft an der Ruhr.

Sie wohnen in Köln. Stellen Sie sich doch mal einen Graphen vor, der auf der horizontalen Achse die Jahre 2008 bis 2012 zeigt und auf der vertikalen die Anzahl ihrer Besuche im Ruhrgebiet. Wie verläuft dieser Graph?

Wieso die Jahre 2008 bis 2012? Ich bin seit 1986 NRW-Korrespondent, und im Schauspielhaus Bochum war ich zum ersten Mal 1978. Da kommt ganz schön was zusammen. Graphisch wird das eine Zickzacklinie. Wenn ich die vielen Theaterbesuche mitrechne, hat das die Frequenz und Intensität einer Wochenendbeziehung.

Sie schreiben als NRW-Korrespondent journalistisch für die FAZ. Für die Neuauflage von Heinrich Hausers Reportage „Schwarzes Revier“ haben Sie das Nachwort verfasst, Ruhrgebietsfotobände von Horst Lang sowie von Bernd Langmack und Haiko Hebig haben Sie mit Texten begleitet. Auch dieses Buch enthält mit Fotografien von Barbara Klemm eine eigene Bildgeschichte. Aus ihrer eigenen Erfahrung: Womit lässt sich die Region am besten beschreiben?

Sicher ist die Fotografie, die ziemlich genauso alt ist wie die Industrialisierung, das Leitmedium des Ruhrgebiets. Aber auch für Reporter und Literaten ist das Revier seit den 20er Jahren ein ganz fremder, unbekannter und spannender Kontinent. Und es ist eine Landschaft, Joseph Roth nannte es „Stadtschaft“, von eigener Poesie; die frühen Romane von Ralf Rothmann sind die besten Beispiele dafür.

Auf der einen Seite gibt es jede Menge Fotobände über das Ruhrgebiet, darunter viele sehr gute, auf der anderen Seite eine breite Gebrauchsliteratur in Form von Reise-, Rad-, Wander-, Trinkhallen- und Currywurstbuden-Führer. Das Feld dazwischen ist eher schwach bestellt. Mein Buch verstehe ich als Beitrag, um diese Lücke zu schließen.

Sie beziehen sich im Titel ihres aktuellen Buches auf eine Ruhrgebiets-Reportage von Joseph Roth aus einer Zeit, als der Rauch die Städte noch verbunden hat. Machen Ruhrgebiets-Anthologien heute noch Sinn, wenn nicht mal mehr der städtische Nahverkehr die Städte verbindet?

Ob die Städte dann heute nichts, außer vielleicht die Mitgliedschaft im Kommunalverband Ruhr, mehr verbindet, ist die offenbar mit Verlustangst besetzte Frage, die mein Buchtitel im Ruhrgebiet reflexartig auslöst. Dabei lässt er sich auch anders und viel entspannter lesen: Die Luft ist klar, wir können einen neuen, unbelasteten Blick auf das Ruhrgebiet werfen.

Viel erreicht, wenig gewonnen“ ist der Titel einer anderen 2012 erschienenen Anthologie zur Situation des Ruhrgebiets. Wo steht das Ruhrgebiet kulturell heute im Kontext Nordrhein-Westfalen?

Die 2 000 Jahre alte Kulturstadt Köln und, nicht ganz so ausgeprägt, auch die Landeshauptstadt Düsseldorf sind mit den Künsten gewachsen, sie sind dort selbstverständlicher und gesicherter Teil des öffentlichen Lebens. Aber das Ruhrgebiet ist mit seinen Brüchen, Umwälzungen und Unfertigkeiten spannender, auch offener, sein Potenzial und seine Entwicklungsmöglichkeiten sind größer.

Zu guter Letzt: Was erwartet die Besucher bei Ihren Lesungen?

Wenn ich das hier verrate, müssen wir in die Stadthalle umziehen.

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