Beni Bischof: Anti-Ästhetik

Beni Bischof blättert häufig in Modemagazinen. Was anderen pure Entspannung oder modische Inspiration ist, macht den Schweizer allerdings in erster Linie wütend. Zu perfekt sieht alles in den hochglanzigen Gazetten aus – mit der Wirklichkeit haben diese Bilder schon lange nichts mehr gemein. Der Mann aus St. Gallen hat seine ganz eigene Art entwickelt, auf diese Art von Überästhetisierung zu reagieren: Er zerstört die schönen Bilder, indem er Gesichter von Celebritys mit Fingern durchbohrt oder Model-Gesichter mit Wurst dekoriert. Mag im ersten Moment wie ein hämischer Schabernack aussehen, ist aber ein klares Statement. Ab dem 2. Februar zeigt die Düsseldorfer Galerie Rupert Pfab Arbeiten von Beni Bischof.

Auf den ersten Blick sieht es so aus, als wüchse dem Model mit dem perfekt hellen Teint ein etwas dunkel geratener Penis aus dem Gesicht, genau dort, wo andere ihre Nase haben. Bei genauerem Hinsehen entpuppt sich das vermeintliche Geschlecht als Zipfel einer Fleischwurst. Weitere Scheiben hat Bischof über die Augen gelegt und rechts und links des Gesichts platziert. Das Ergebnis hat der Schweizer erneut aufgenommen und natürlich hat sich die Wirkung der Aufnahme um 180 Grad gedreht. Was einst bewundernde Blicke evozierte, reizt nun nur noch zum Lachen. Genau diese Wirkung ist es, die Bischof erzielen möchte. Es geht ihm um eine Anti-Ästhetik, um manuelle Dekonstruktion, Absurdität und zerstörte Schönheit. Dafür ist ihm beinahe jedes Mittel recht. Bekritzeln, Verschmieren, Pixeln, Löschen von Bildinformationen sowie die respektlose Anwendung digitaler Bildbearbeitungsprogramme – all das sind seine fotografischen Mittel. Ein Bild des Bayern-Profis Bastian Schweinsteiger hat er mit einfachsten Mitteln manipuliert. Dort, wo einst Mund und Nase waren, brechen jetzt zwei Finger durchs Zeitschriftenpapier. Die Wirkung ist – trotz des vergleichsweise geringen Aufwands – verblüffend.