Abgrundtief: Nora oder: Ein Puppenheim

| Foto: Sandra Then

Das Grauen hinter der bürgerlichen Fassade – Stoff, der für alle Formate taugt vom großen Drama bis hin zur Freitagabendkrimiserie. Bereits vor 130 Jahren beschäftigte sich der norwegische Schriftsteller und Dramatiker Henrik Ibsen mit dem Phänomen von Schein und Sein in eben dieser Bürgerlichkeit: In „Nora oder: Ein Puppenheim“ sieht Familie Helmer endlich wieder besseren Zeiten entgegen.

Der akkurate Bankangestellte Torvald Helmer erwartet seine Beförderung zum Direktor. Seine Frau Nora und ihre drei Kinder stellen eine mustergültige Familie dar und geben derart einen perfekten Hintergrund für die Karriere des Mannes ab. Just in dem Moment der Sorglosigkeit holt die Vergangenheit Nora in Gestalt des windigen Advokaten Krogstad ein. Dieser weiß um die Urkundenfälschung Noras, mit der sie sich das Geld erschwindelt hatte, um ihrem Mann eine teure medizinische Behandlung zu finanzieren.

Die Inszenierung von Tilo Nest konzentriert sich auf den nun beginnenden Prozess, den Nora durchmachen muss. Denn unter dem Druck offenbart sich die Brüchigkeit der Helmer-Ehe. Im entscheidenden Moment steht Helmer nicht hinter seiner Frau, sondern wird einzig von seiner Angst um sein Ansehen und seine Karriere beherrscht. Noras Welt erweist sich als Puppenstube, sie selbst als ein wertvolles Spielzeug ihres Mannes, das schnell fallengelassen werden kann. Nora durchläuft in wenigen, peinvollen Tagen einen Erkenntnisprozess, an dessen Ende sich ihre bisherige Lebenswelt als Scheinwelt, ihre Ehe mit Torvald als Zweckbeziehung bar jeder Gleichberechtigung offenbart.

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