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Wie würdest du deine Kunst beschreiben?
Allgemein kann man sagen, dass es Module sind, mit denen ich arbeite, die miteinander korrespondieren. Es sind einzelne Teile, die ich variieren und immer wieder ergänzen kann, kleine oder größere Figuren, die aus dem Bauch heraus entstehen. Ich nehme Dinge wahr, die ich in der Stadt sehe, und verarbeite sie. Das sind häufig architektonische Sachen oder Statussymbole.
Auch verschiedene Formen?
Verschiedene Formen und Farben… ich experimentiere gerade ziemlich viel mit Farben herum.
Türen sind auch sehr präsent in deinem Werk.
Ja, das ist das Thema „Versteck“. Das Versteck hinter der Tür rührte zum Beispiel daher, dass ich ein Buch von Thomas Bernhard gelesen habe, „Holzfällen. Eine Erregung“, und da sitzt der Protagonist hinter einer Tür und beobachtet eine affektierte Künstlergesellschaft. Er sitzt in einem Ohrensessel, versteckt sich, nimmt sich sehr aus dem Geschehen heraus und schaut mit bösem Blick auf dieses ganze Künstlergetue. Ich fand das schön, weil es einerseits ein Versteck zum Schutz, aber auch ein Versteck zum Angriff ist. Und diese Ecke, diesen Unraum, habe ich in meinen Arbeiten aus Pappe immer weiter abstrahiert, sodass dann eigentlich wirklich nur noch die Ecke, die Tür und ein Stück Boden zu sehen ist. Viele Arbeiten wirken eher skizzenhaft und ich überlege manchmal dann auch selber ‚mache ich da jetzt noch weiter?’, aber ich glaube, ich will das gar nicht. Denn ab einem gewissen Moment kann das die Arbeit auch zerstören, wenn sie zu industriell ist. Dann ist sie nicht mehr lebendig. Sonst kann ich auch Design studieren und alles ist perfekt, aber so hat es immer noch etwas Offenes
Also etwas offenlassen, um es zu komplettieren?
Ja, damit der Betrachter es komplettieren kann. Dazu gibt es natürlich ganz verschiedene Meinungen, die einen betrachten es als Unsicherheit, keine feste Stellung zu beziehen, diejenigen machen ihre Arbeiten dann eher auf Hochglanz. Aber es ist in meinem Fall keine Unsicherheit, sondern eine Sprache.
Eine Offenheit für den Betrachter …
Man kann zum Beispiel sehen, dass es nicht perfekt gestrichen ist, nicht dass ich das dann absolut bewusst mache – es kommt einfach der Moment, da ist die Arbeit für mich abgeschlossen. Und so geht es.
Gefühlssache also?
Genau. Dann kommt in dem Moment für mich das rüber, was ich ausdrücken will. Es bleiben natürlich weitere Interpretationsmöglichkeiten offen. Das ist ja wichtig, dass man viele Zugänge hat. Und wenn man am Ende keinen hat, ist es auch okay. (lacht)
Gibt es zu allen deinen Werken solche Geschichten?
Das, was man hier sieht, sind drei Themen. Einmal das Versteck, dann Garagen und der Grill. Das Versteck taucht allerdings auf unterschiedlichen Ebenen auf. Zum Beispiel fallen mir schon seit über einem Jahr die Motorräder mit Stoffüberwürfen auf. Und da finde ich diesen „Stier“ sehr reizvoll, den ich mir darunter vorstelle. Der Lenker, das sind für mich quasi die beiden Hörner, symbolisch für den Stier, der sich darunter versteckt. Das ist ja ein sehr männliches Symbol. Und dann der Überwurf, meist aus einem seidenähnlichen Material, das im Wind herum weht. Ich fand diesen Kontrast ganz schön, weil der Stoff in dem Moment etwas sehr Weiches und vielleicht auch Weibliches hat. Mit diesem Kontrast habe ich gearbeitet. Es wird etwas versteckt und man kann es irgendwie nicht so richtig greifen. Hier (zeigt auf eine Skizze) sieht man den Stier ganz gut, und als Versteck sind hier auch Variationen von Sofas, bei denen man die Lehne umklappen kann, und dann hat man seine Ruhe. (lacht) Die Idee mit dem Sofa ist eigentlich auch schon älter und kommt immer mal wieder und ich arbeite ein bisschen daran und setze mich damit auseinander. Das sind auch sehr persönliche Arbeiten, da es viele Situationen gibt, in denen ich mich selber gerne einfach für einen Moment abschotten würde.
Zum Beispiel bei der überkandidelten Künstlergesellschaft?
Ja, zum Beispiel. In solchen Situationen tatsächlich. Bei Eröffnungen von Vernissagen oder Ähnlichem.
Zurück zu deinen Werken …
Ja, hier sind die Garagen. In Wien, auf einer Straße, auf der ich mich oft bewege, ist mir aufgefallen, dass die ganzen schönen Läden und Auslagen verschwinden, dafür kommen graue Garagenflächen hin, Beton, und das alles auf Fußgängerhöhe. Das ist eine Verschandelung dieser Straße und das Aussterben der Straße ist absolut vorprogrammiert. Die Garage ist auch fast so etwas wie ein Statussymbol. Da hat man dann die Doppelgarage oder den Carport, und daraufhin habe ich viel mit der Garage gearbeitet. Es sind jetzt gar nicht mehr viele Arbeiten, die hier stehen. Zum Thema Grill bin ich übrigens über einen Artikel gekommen, in dem stand, dass der Mensch sich als Tier von anderen Tieren dadurch unterscheidet, dass er angefangen hat, das Essen zu erwärmen. Da habe ich mich dann mit dem Barbecue auseinandergesetzt. Es sind ja meistens Männer, die draußen stehen und grillen. Ich habe einen Grill in meiner Körpergröße gebaut. Hier ist die Platte, und das sind die Beine, natürlich etwas ad absurdum geführt. Ich will noch weitermachen mit Formen, die eigentlich sinnentleert sind, aber den Grill wieder als Statussymbol entlarven. Er hat ja etwas von einem Pokal.
Etwas Phallisches?
Ja, genau etwas Phallisches. Und letztens habe ich, ganz banal, aber ganz witzig, „Grill“ bei Google eingegeben, und dann erschien ein Autogrill. Das ist wieder so symbolgeladen, dieser dicke Autogrill. Und dann habe ich angefangen, einen rosa Autogrill zu entwerfen. Es ist dann wieder abstrahiert und gebrochen dargestellt. Bei Grill und Garagen geht es auch viel um Streifen und Raster.
Und die Ideen entstammen deinem Alltag?
Viele Gedanken kommen mir beim Zeitunglesen. Irgendwelche komischen Dinge, die in der Welt passieren, bringen mich auf Ideen. Das Archivieren von Akten oder die ganze Bürokratie-Sache ist übrigens auch ein Thema.
Wann hattest du denn die Idee, mit der fast kindlichen Sichtweise der Doppeldeutigkeit etwas zu machen, wie beim vermeintlichen Stier?
Vor einem guten Jahr war auf der Brunnenstraße wohl ein besonders windiger Tag (lacht), dass mir dieses Motorrad so aufgefallen ist. Ich fand es schon fast romantisch, wie dieser Stoff sich um dieses Tier herum geschmiegt hat. Das ist auch noch eine Überlegung. Arbeite ich jetzt mit dieser Bewegung, oder allein mit der Form? Jetzt fällt es mir überhaupt zunehmend mehr auf, es braucht nur ein Handtuch zu sein, das über Geschirr geworfen ist. Das ist ganz interessant. Vielleicht ist es ja tatsächlich, wie Du meinst, eine kindliche Doppeldeutigkeit. Es ist irgendwie eine Spielerei. Wenn ich gar nicht wüsste, dass es Motorräder gibt, was würde ich dann darunter vermuten?
Ein spannendes Thema …
Das Versteck selber, da bin ich mir sicher, dass ich nicht die einzige bin, die sich manchmal verstecken möchte. Und eben diese doppelte Bedeutung, dass das Versteck ein Rückzugsort und ein Versteck, um anzugreifen, sein kann. Das finde ich ganz gut. Jetzt gerade bin ich eigentlich damit beschäftigt, Verstecke im Alltag zu entdecken.
Wie hast du denn eigentlich mit der Kunst angefangen? Hast du als Kind schon Sachen gebaut?
Ich habe früher sehr viele Collagen gemacht, das hat mir immer viel Spaß gemacht. Und Fotografie. Damit habe ich mich damals auch an der Akademie beworben. Eigentlich wollte ich direkt nach dem Abitur beginnen, hatte aber dann, glaube ich, nicht den Mut und habe zunächst ein anderes Studium absolviert, bis ich hier begonnen habe. Ich habe Kulturmanagement in Görlitz studiert und dort den Bachelor gemacht. Dann habe ich überlegt entweder mit dem Master weiterzumachen, oder es doch mit der Kunst zu probieren, und dann hat es ja auch mit einem Mal geklappt. Das Fach war eigentlich Fotografie. Dann bin ich aber ziemlich schnell zur Bildhauerei gekommen. In Wien habe ich bei Freunden auch viel aus der Sparte mitbekommen und dann fing das so ganz automatisch an. Mittlerweile bin ich von der Fotografie total abgekommen.
Um noch mal auf deine Vorgehensweise beim Arbeiten zurückzukommen… Legst du auch zu Hause los, oder arbeitest du meistens in der Akademie?
Beides. Und eigentlich passieren die besten Sachen dann, wenn ich gar nicht so den Plan habe, und ich mich zwinge, etwas zu machen. Dann entsteht etwas, das mich meist selbst überrascht. Wenn ich in die Werkstätten gehe und mir sage, ich will eine bestimmte Arbeit jetzt mit Holz umsetzen, habe ich keine Möglichkeit, Dinge spontan zu verändern, das ist bei Pappe zum Beispiel anders. Da kann ich auch mal etwas zurechtbiegen oder wegschneiden und muss nicht warten, bis die Kreissäge wieder frei ist. Ich habe zum Beispiel mit Salzteig gearbeitet. Das ist ja ein ganz einfaches Material, ich habe dann auch nicht das Gefühl, dass ich gerade Ressourcen verschwende. Das sind leichte, schnelle Materialien. Man kann ja auch durch Material dem Ganzen so eine ganz aufgeladene Bedeutung geben, das will ich gar nicht, so aufladen.
Du studierst bei Martin Gostner. Was genau ist das für eine Klasse?
Offiziell eine Bildhauerklasse, aber es mischt sich komplett. Es ist eine der wenigen Klassen, wo eigentlich alle reinkommen. Fotografen, Bildhauer, Maler. Das finde ich persönlich wirklich gut, denn sonst kann der Horizont leicht eingeengt werden
Wie muss man sich deinen Alltag vorstellen?
Ich komme jeden Tag her. Stimmt das? (lacht) Doch, gerade in den letzten Wochen komme ich sehr viel, weil ich in einem guten Arbeitsprozess bin. Manchmal passt es auch nicht so, dann brauche ich eher Ruhe, aber aktuell bin jeden Tag einen ganzen Arbeitstag oder länger hier. Und es ist auch einfach wichtig, da zu sein, auch wenn man am Ende vielleicht gar nichts gemacht hat, weil man sich mit den Sachen und der Atmosphäre umgeben muss. So ein Atelier ist einfach wichtig.
Hattest du schon Ausstellungen?
Ja, einmal in Kleve 2009, dann habe ich in Wien zweimal ausgestellt, einmal 2010 mit einer Freundin zusammen und mit anderen Leuten zusammen in einem Offspace in diesem Jahr. Oder in der Vitrine vom Kulturamt im Bilker Bahnhof, da stand mein goldenes Garagentor. Und eine Kommilitonin hat auf der Ratinger Straße einen kleinen Raum, da hatte sie mich auch gefragt, ob ich etwas ausstelle. Das sind nicht viele Ausstellungen, aber immer mal wieder etwas.
In welchem Semester bist du?
Im neunten. Im O-Bereich war ich bei Rita McBride, bin dann aber hierher gewechselt. Da hat sich meine ganze Arbeitsweise auch noch mal komplett verändert.
Inwiefern?
Meine Sachen sind viel kleiner geworden. Ich habe vorher viel größer gearbeitet, mehr nach Rezept, weniger mit eigener Handschrift.
Um mal zur Rundgangsvorbereitung zu kommen … wie sieht es denn bei dir aus? Bist du schon im Stress?
Das ist bei mir diesmal ganz leger, weil ich wirklich viele kleine Module habe, die ich unterschiedlich arrangieren kann. Es ist ein Podest mit zwei Ebenen geplant, das in den Raum hineinragt und über das verteile ich meine Arbeiten. Da kommunizieren die einzelnen Arbeiten wieder miteinander, im besten Falle auch mit dem Betrachter. Das Wichtigste ist jetzt erst mal, dass ich mir darüber klar werde, wie dieses Podest aussehen soll, wie es im Raum stehen soll. Es wird auf jeden Fall die Farbe des Bodens bekommen, nämlich grau, es wird ja alles noch mal neu gestrichen. Ich finde es sehr schön, dass ich quasi meine eigene Kuratorin sein kann, aus meinen Arbeiten auswählen, noch mal Rücksprache mit dem Professor halten und eventuell noch Sachen verändern kann.
Hast du eigentlich ein Auto - wegen der Garagen?
Nein, (lacht), ich habe kein Auto. Aber das ist ja viel zu beobachten mit diesen Garagen. Die Wahrscheinlichkeit, dass es mal andersherum läuft, dass die Garagen abgerissen werden und wieder Schaufenster eingesetzt werden, ist ja eigentlich relativ gering, vermute ich mal. Die Entwicklung ist nicht wieder rückgängig zu machen. Und irgendwann gibt es nur noch Garagenfassaden.
Zurück zum Rundgang. Wie sieht es denn eigentlich mit dem Druck und Konkurrenzdenken während der heißen Vorbereitungsphase zum Rundgang aus? Und wie sind deine Erfahrungen mit dem Rundgang in den letzten Jahren gewesen?
Die Erfahrungen mit dem Rundgang sind eigentlich sehr unterschiedlich. Es ist nach wie vor auch Ellenbogenkampf, aber irgendwie ziehen trotzdem alle an einem Strang. Jeder stürzt sich in seine Arbeit, jeder ist irgendwie beschäftigt, und es muss noch alles auf den letzten Drücker gemacht werden. Man merkt wirklich, wie die Spannung bis zum letzten Augenblick steigt. Man kann es gut mit einem Theaterstück vergleichen, bei dem man dann mit Lampenfieber auf die Bühne tritt, auch wenn es natürlich sowieso alles ein bisschen übertrieben gesehen wird. Es ist ja eigentlich ein Tag der offenen Tür, mehr nicht. Es wäre konsequent zu sagen, wir machen alles wie immer und die Besucher können die Ateliers besichtigen. Stattdessen wird alles weiß gestrichen und die Hochschule wird für eine Woche zum Museum. Wenn ich Rektorin wäre, ich würde das anders machen. (lacht) Ich würde sagen, für den Rundgang bleibt alles, wie es ist. Es sollte nicht zu so einer Verkaufsgeschichte ausarten. Wobei ich das als Bildhauerin sage, bei uns wird eh nicht so viel gekauft. (lacht) Auf jeden Fall steigt die Euphorie bis zur Eröffnung und dann gibt es diese schöne, angenehme Woche, auch anstrengend, weil zehntausende Leute hier durch laufen.
… und alle Fragen stellen?
Ja, einige.
Auch à la ‚was haben Sie sich dabei gedacht’?
Ja, es gibt jedes Jahr aufs Neue wieder einen Bösewicht, der hier herumstreunt. Eine Kommilitonin musste sich schon einmal anhören, sie solle doch lieber Kinder bekommen, als so etwas zu machen. Sehr hart und sehr blöd.
Man wird also auch hart beurteilt …
Ja, die Kommilitonin war auch entsetzt. Aber die Frage ist auch, wie fachkundig der durchschnittliche Besucher ist.
Wie erlebst du persönlich das Künstlerdasein?
Ich weiß nicht, ob es den typischen Künstler gibt oder nicht, aber diese Bohème-Vorstellung erfüllen an der Akademie sicherlich andere besser als ich. Da würde ich mich rausnehmen. Ich brauche einen strengen Plan für mich selber, einen Rhythmus. Bei mir fängt der Arbeitstag früh morgens an und hört am frühen Abend auf.
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