Interview mit Anna Vogel

| Foto: Christof Wolff

Was macht deine Fotografien aus?

In diesem Sommer war ich drei Monate in den Bergen auf einer Hütte. In Österreich im Höllengebirge. Dort ist unter anderem dieses Bild entstanden. Das hier (zu sehen ist eine Waldlandschaft mit ausgesparten Stellen) habe ich dann verfremdet und die Landschaft, hier zu sehen mit den Seilbahnen, abstrahiert. Es geht mir immer ein bisschen um das Verschwinden von Dingen oder auch von Erinnerungen. Deshalb nehme ich immer etwas weg.

Weil nicht alles bleibt, sondern verschwimmt?

Ja, genau. Zum Rundgang mache ich ja auch meinen Abschluss und wir haben noch einen kleinen Raum nebenan, in dem wir arbeiten können. Den werde ich wahrscheinlich auch für mich haben können. Ich hoffe, es klappt. Dann kann ich Installationen zu meinen Bildern machen.

Parallel zu der heißen Phase vor dem Rundgang steht für dich ja auch noch die Ausstellung im NRW-Forum an.

Das überschneidet sich total, und dann noch die Abschlussphase, danach muss ich erst mal wieder auf die Hütte. (lacht)

Natur ist also ein Thema für dich …

Ja, ich kann dir noch ein anderes Foto zeigen. (Anna holt ein Bild einer Schafherde aus ihrer Schublade) Das wird man auch in der Stadt sehen und zwar riesig, vier, fünf Meter breit. Diese Plakate dienen zur Ausstellungsankündigung, das Motiv habe ich ausgesucht. Es ist am Niederrhein entstanden. Ich habe ziemlich lange eine große Schafherde gesucht, bin erst mal mit der Bahn losgefahren, habe aber immer nur drei, vier mickrige Schafe herumstehen sehen im Schrebergarten. Dann habe ich beim Schafzuchtverband NRW angerufen, die haben mich direkt mit einem Schäfer verbunden und schließlich bin ich nach Dormagen gefahren und dort ist das Bild entstanden.

Konzentrierst du dich auf Landschaftsaufnahmen oder machst du auch Portraits?

Auch Portraits, ich kann dir das mal zeigen. (holt wieder Fotos) Diese Sachen sind jetzt schon ein bisschen älter, hier habe ich auch etwas weggenommen. So hat das eigentlich angefangen - mit dem Wegkratzen. Das ist nur eine kleine Auswahl. Für den Rundgang ist es ein bisschen schwer, weil vielleicht nicht alles so sehr zusammen an eine Wand passt. Mal schauen, wofür ich mich entscheide.

Wie waren Deine Erfahrungen beim Rundgang in den letzten Jahren?

Also letztes Jahr haben wir in der Klasse ja den ersten Rundgang gemacht, das war gut und lustig. Wir waren noch eine ganz junge Klasse und da war es interessant, mal alle Arbeiten zu sehen. Jetzt ist es, glaube ich, auch spannend, weil wir so viel Auswahl haben. Eigentlich ist noch gar nichts klar.

Dann kommt der große Stress vorher?

Na Stress ist es immer. Auf jeden Fall.

Wann und wie hast du mit der Fotografie angefangen?

Eigentlich relativ früh, weil mein Vater auch fotografiert hat, also richtig analog schwarz-weiß, mit Entwickeln im Badezimmer. Ich hab dann immer die kleinen Filmdöschen gesammelt, also es hat schon ganz früh angefangen. Meine Oma hat das auch schon gemacht. Mit 13 Jahren habe ich meine erste richtige Kamera bekommen und es war ganz früh klar, dass ich das auch studieren will.

Und es hat dann auch direkt geklappt?

Ja.

Kommst du eigentlich aus Düsseldorf?

Ich komme aus Süddeutschland, also richtig vom Land, an der französischen Grenze in Rheinland-Pfalz. Kulturell ist da ja nicht so viel los, ist schon ganz gut hier. Ich habe in Köln gewohnt und jetzt in Düsseldorf, das Rheinland ist auf jeden Fall schön.

Wie sieht denn ein klassischer Arbeitstag bei dir aus?

Unterschiedlich, weil ich nebenher arbeite, um das Studium zu finanzieren. Manchmal komme ich vor der Arbeit noch in die Klasse, nach der Arbeit bin ich total k. o., und das mache ich dann zweieinhalb Tage die Woche. Das heißt, es bleiben noch zwei Tage, an denen ich etwas machen kann, sonntags ist die Akademie ja zu. Es ist schon richtig voll im Moment. Der ganze Tag … Fotografieren, Bildbearbeitung und Collagen. Ich mache ja auch viele Experimente. Ich habe noch einen kleinen Arbeitstisch, auf dem ich dann ausschneide, mit Acrylfarbe arbeite und wegkratze. Manche Materialien stelle ich dort her und dafür arbeite ich gerne nachts, wenn es ruhig ist. Dann stelle ich mir hier Musik an, höre Elektro, trinke viel Espresso und habe meine Ruhe. Mit einem Bekannten, der gerade im Ausland ist, im Senegal, arbeite ich gerne zusammen. Dann kann man hier an der Magnetleiste Sachen aufhängen und besprechen.

Prozesshaft?

Ja, es ist schon eher experimentell, dass man probiert und merkt, okay, das ist ein cooler Moment. Und dann gibt es natürlich auch viel Ausschuss, ich hab dir nur die Auswahl gezeigt. (lacht)

Um noch mal auf den Rundgang zurückzukommen. Wie ist denn die Stimmung in der Klasse? In den Wochen davor nimmt der Druck doch sicher stark zu?

Bis jetzt ist davon nichts zu spüren. Ich war ja vorher auch in anderen Klassen, und hier ist es schon sehr gut. Natürlich gibt es auch mal kleinere Schwierigkeiten, aber die Atmosphäre in der Klasse ist trotzdem gut.

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