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Mitte Dezember an der Düsseldorfer Kunstakademie. Eigentlich sind schon Weihnachtsferien. Dennoch wird in zahlreichen Klassenräumen noch eifrig geschliffen, gepinselt und fotografiert. Der Countdown zum „Rundgang“ läuft. Zwischen dem 8. und 12. Februar öffnen sich einmal mehr die Tore der Akademie. Dann werden wieder zahlreiche Fachleute, Galeristen, Freunde, Verwandte und ganz normale Kunstinteressierte einen Blick auf das werfen, was übers Jahr an der Eiskellerstraße entstanden ist. Nadine Beneke hat die Akademie-Studenten Klara Paterok, Julien Deiss und Anna Vogel vorab an ihren Arbeitsplätzen besucht und bereits einen ersten Blick auf ihre Werke geworfen.
„Man kann den Rundgang mit einem Theaterstück vergleichen“, sagt Klara Paterok. „Die Spannung steigt bis zur letzten Sekunde und löst sich dann mit dem Eintritt der Besucher in Luft auf.“ Die 28-Jährige steht mit einem Malerkittel inmitten der Martin Gostner-Klasse im Erdgeschoss der Akademie. Um sie herum ihre Objekte, die Paterok in drei Themenbereiche unterteilt hat: Verstecke, Garagen und Grill. An den Wänden hängen Skizzen eines Motorrades. Vor einem Jahr ist der Bildhauerei-Studentin ein solches Gefährt im Stadtraum aufgefallen. Mit anderen Augen betrachtet ein versteckter Stier mit fast anschmiegsamem Überwurf. Seither abstrahiert sie diese Figur, momentan mit Salzteig, „weil der keine wertvollen Ressourcen verschwendet“, wie sie lachend hinzufügt. Die Motorradfiguren sind an ihrem Arbeitsplatz ebenso vertreten wie ein goldenes Garagentor und ein abgewandelter, überdimensionaler Grill, der den Fleischbrutzler als Status- und Phallussymbol entlarvt. In der Rundgangswoche werden die Modelle, hinter denen allesamt eine Geschichte steckt, auf einem Podest präsentiert. Zunächst wartet jedoch noch eine Menge Arbeit auf die blonde Frau und ihre Kommilitonen.
Julien Deiss, der im 11. Semester Malerei studiert, ist ebenfalls schwer beschäftigt, und zwar im Keller der landeshauptstädtischen von fraunberg art gallery. Nachdem sein ehemaliger Professor Braun in den Ruhestand ging, steht Deiss momentan ohne Klasse da. „Die Akademie platzt aus allen Nähten“, beschreibt der Student die Situation an der renommierten Hochschule. Der „Rundgang“ findet für Deiss in diesem Jahr zwischen zwei Ausstellungen statt. Eine in der Galerie direkt über seiner Arbeitsstätte, die andere in Kopenhagen. Im schummrigen Kellerlicht spendet ein Strahler die nötige Helligkeit zum Arbeiten. Deiss versieht einen hechelnden Hund auf der Leinwand mit einer weiteren Farbschicht. Die Zunge des Tieres erinnert an einen Schal und wird durch sorgfältiges Aufpinseln und Verwischen schattiert. Allerdings muss dies nicht zwangsläufig das Endergebnis bleiben. „Malen ist für mich ein offener Prozess“, sagt Deiss. Für die gerade zu Ende gegangene Ausstellung „In between Days“ hat er deshalb mit seinem Freund und Kollegen Mike Mc Kaldey zusammengearbeitet, der auf die ursprünglichen Bilder noch einmal Farbschichten aufgetragen hat und fragmentartige, neue Kunstwerke entstehen ließ. Julien Deiss’ Figuren sind Begegnungen und Vermittler gleichzeitig. Ob Fischer, Micky Mouse oder ein ironisierter Pastor, sie alle stellen Wegbegleiter für Künstler und Betrachter dar. Der Rundgang war für den ehemaligen Braun-Schüler bereits in seiner eigenen Schulzeit ein Pflichttermin. Zu Beginn seines Studiums im Jahr 2007 erinnerte er sich daher sofort wieder an den besonderen Geruch in den Akademiefluren. Die Vorbereitung auf den künstlerischen Tag der offenen Tür wird diesmal relaxter ablaufen als sonst, da Deiss aus bereits bestehenden Werken auswählen kann. Ganz bürokratisch hat er sich per Antrag für einen der begehrten Flurplätze beworben und hofft, dass es klappt. Die Entscheidung trifft die Hochschulleitung.
Auch Gursky-Schülerin Anna Vogel wird aus ihren Fotografien etwas Passendes für den Rundgang aussuchen. Mit Punkten und Leerstellen verfremdete Landschaften und Portraits stehen zur Auswahl. Das Verschwinden von Dingen und Erinnerungen ist ein immer wiederkehrendes Thema in den Vogelschen Arbeiten. Für eine Strecke, die sie auch im Zuge der „State of the Art Photography“-Ausstellung im NRW-Forum vorstellen wird (siehe dazu Artikel auf Seite 68 in diesem Heft), ist sie sowohl zu einer Hütte im österreichischen Höllengebirge als auch ins benachbarte Dormagen gereist. Am Niederrhein fand sie das Motiv zur Ausstellung des NRW-Forum, das im Vorfeld der Schau auf zahlreichen Plakatwänden in Düsseldorf zu sehen sein wird: „Ich habe ziemlich lange eine große Schafherde gesucht, bin erst mal mit der Bahn losgefahren, fand aber immer nur drei, vier mickrige Schafe im Schrebergarten.“ Erst der nordrheinwestfälische Schäferverband konnte bei der Suche behilflich sein. Die Fotografie betreibt Vogel schon lange. Mit 13 Jahren bekam die gebürtige Pfälzerin ihre erste richtige Kamera, und seitdem fängt sie Momente ein und kreiert inzwischen eigene Augenblicke. Nun stehen für die 30-Jährige der Studienabschluss, die Rundgangsvorbereitungen und die Ausstellung am Ehrenhof an. Nach weiteren Zukunftsplänen gefragt antwortet sie lachend: „Danach muss ich erstmal wieder auf die Hütte.“ Vorerst gilt es, den Klassenraum mit Holzplatten zu verkleiden und sich um das Arrangement ihrer Collagen zu kümmern.
Für alle drei Künstler ist der Rundgang nicht mehr ganz neu, aber immer noch eine wichtige Angelegenheit. Er bietet eine Plattform, Kunstwerke vorzustellen, Kontakte zu knüpfen und sich mit anderen auszutauschen. Über Werke, die allesamt Geschichten haben und deren Erstellung Disziplin und Arbeit erforderte. Dennoch kann sich nicht jeder Besucher mit jedem ausgestellten Werk anfreunden. Beim letztjährigen Rundgang riet ein männlicher Besucher einer Studierenden ungefragt, ihr weiteres Leben fernab der Kunst zu planen: „Sie sollten lieber Kinder bekommen, als so etwas zu machen!“
Text: Nadine Beneke
kunstakademie-duesseldorf.de
Die Arbeiten von Klara Paterok werden in Raum 21 (EG) gezeigt, die von Anna Vogel in Raum 123 (1. OG). Die Werke von Julien Deiss hängen im Flur vor den Räumen 108 und 109.
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