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Holländer und Showbiz – das ist in Deutschland eine Erfolgsgarantie. Ob Linda de Mol, Marijke Amado, Harry Wijnvoord oder Rudi Carrell: Mit drollig-vernuscheltem Akzent ließen sich grenzdebile Showideen („Mini-Playback-Show“, „Traumhochzeit“), schreiend langweilige Spielkonzepte („Der Preis ist heiß“) oder kitschige Banalitäten (die Rudigramme aus der „Rudi Carrell Show“) offenbar besser unters Volk bringen als in schnarrendem Hochdeutsch.
Vielleicht, weil man es dann schlicht nicht ernst nehmen konnte, was einem da gerade erzählt wurde. Dass es vor diesem Hintergrund bislang noch keinen klassischen Stand-up-Comedian aus den Niederlanden gab, der sein auffälliges Idiom dazu nutzt, mit schlechten Pointen auch in Deutschland Lacher zu erzeugen, ist eigentlich ein großes Wunder.
Philip Simon, ein Holländer mit den Wohnsitzen Texel und Berlin, füllt also eine Marktlücke. Und wie er sie füllt: 2011 war sein Jahr. Beim Prix Pantheon heimste er den Jurypreis ein, die Besucher des Großen Kleinkunstfestivals der Berliner Wühlmäuse verliehen ihm den Publikumspreis, und im „Quatsch Comedy Club“ ist Simon quasi Dauergast. Anders als viele seiner Stand-up-Kollegen versucht er sich nicht nur am Sezieren des gängigen Alltagsirrsinns, sondern behält auch politische Entwicklungen im Auge. Sprachlich fechtet er dabei allerdings eher mit dem Nudelholz als mit dem Florett – was völlig okay ist, denn das Timing sitzt, und die Vergleiche sind, trotz derber Wortwahl, meistens treffend. Nicht zu vergessen: sein Akzent, der grobe Gemeinheiten gefällig abfedert. Vielleicht sollten Spitzenpolitiker einfach mal so sprechen wie Philip Simon. Sie könnten ehrlich sein – und wären trotzdem beliebt.
Sven Gantzkow
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