Jesus, ich möchte viel Glück beim Angeln

| Foto: Jan Kattein

Wenn man nicht weiß, wo man hingehört, muss man sich auf die Suche machen. Drei junge Leute sind es, die sich in Anna Malunats neuem Stück „Jesus, ich möchte viel Glück beim Angeln“ auf eine Reise zu sich selbst begeben, ohne ahnen zu können, dass sie nicht ankommen werden. Sie begegnen Menschen, unterschiedlichen Lebensentwürfen, kommen von Ramstein über die Brandenburger Einöde und den Dortmunder Phönixsee in die tiefste bayerische Provinz. „Die Reise verläuft“, hier muss Regisseurin Malunat kurz stocken, weil sie nach dem richtigen Wort sucht, „unlogisch.“ Sie lacht. In ihrer Geschichte geht es auch weniger um eine geradlinige oder chronologisch sinnvolle Story, vielmehr möchte sie zeigen, dass die Generation um die 30, also auch ihre eigene, heimatlos ist, obwohl sie alle Möglichkeiten hätte, sich niederzulassen. „Meine Generation ist immer in Bewegung, sie scheut Entscheidungen, weswegen sie so etwas wie ein Heimatgefühl nicht empfindet“, sagt Malunat.
Es liegt aber nicht nur am Wankelmut. Ein Grund für die Unverwurzeltheit sind auch die Konstrukte, die der Mensch sich als Rückzugsort entworfen hat – Neubausiedlungen, Trabantenstädte auf dem flachen Land, künstlich angelegte Natur als Naherholungsgebiete. „All diese Orte wirken unbehaust“, umschreibt Malunat das dumpfe Nichts, das als Gefühl zurückbleibt, wenn man nur daran denkt. Dabei interessiert sie aber nicht nur das unstete Hin und Her ihrer Altersgenossen, sondern auch der historische Kontext.

Heimat? Gibt’s das noch?

„Jesus, ich möchte viel Glück beim Angeln“ ist Teil einer Trilogie: 2010 machte sich Malunat gemeinsam mit Kriegsflüchtlingen auf nach Königsberg und schilderte ihre Empfindungen. „Sie haben ihre Heimat verloren, aber der Bezug zum geografischen Ort ist immer noch vorhanden. Bei den Menschen um die 30 ist das heute genau umgekehrt.“ Die Generation ihrer Eltern hat sie innerhalb der Trilogie erstmal bewusst übersprungen: „Da kämen die ‚68er-Bewegung und die RAF zum Tragen“, sagt sie. „Diese Themen sind auch nach wie vor wichtig und noch lange nicht verarbeitet, aber da in letzter Zeit so viel dazu gesagt wurde, habe ich das hintangestellt.“ Stattdessen liefert sie einen wunderbaren Bogen vom Heimatverlust unserer Großeltern zur eigenen Heimatverweigerung. Aus der Geschichte lernen wir, während sie nicht aufhört, zu passieren
SG
Anna Malunat, „Jesus, ich möchte viel Glück beim Angeln“
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