In einem anderen Licht betrachtet

| Foto: Shin Yamagata

Der 1977 geborene und in Tokio ansässige Hiroaki Umeda studierte ursprünglich Fotografie. Im Alter von zwanzig Jahren wechselte er zum Tanz. Bereits im Jahr 2000 gründete er seine eigene Company „S20“. Sein abstrakter Stil liegt irgendwo in Neukreationen aus Elementen des Butoh, Hip-Hop und Zeitgenössischem. Er fotografiert, choreografiert, schafft Installationen und entwickelt Lichtdesigns, kreiert Videos und Sounds in der ständigen Erweiterung seiner Ausdrucksmittel.

So entstehen ebenso minimalistische wie radikale Stücke voller technisch klirrender, aber explosiv aufgeladener Ästhetik, die sich mit der Veränderlichkeit von Raum und Zeit durch die Bewegung des Körpers befassen. Dabei untersucht Umeda beispielsweise im von ihm selbst getanzten Solo „Haptic“ minutiös das Verhältnis von Licht, Farbe und Körperlichkeit.

Das 2011 beim Festival „Tanz im August“ in Berlin uraufgeführte Trio „3. isolation“ zeigt im klassischen Ballett ausgebildete Tänzerinnen, die sich in dieser Choreografie mit einem neuen Bewegungsvokabular auseinandersetzen. Begleitend generiert der multidisziplinäre Künstler harsche Töne, die teils an die brutalen Klanglandschaften der Electronicband Autechre erinnern. Die bedrohlich anschwellenden und dann abrupt verschollenen Sounds werden gepaart mit teils monochrom grellen, dann flirrenden Lichtanimationen, in denen sich die Akteure verlieren, beinahe in Pixeln aufzulösen scheinen und wie in einer intensiven Gebärdensprache tänzerisch agieren. Es mutet ein wenig an wie ein Trip à la „Tron“, bei dem sich der Held digitalisiert ins Innenleben eines Computers begibt. Somit entspricht dieser Abend einer offiziellen Einladung, an neuen, experimentellen Seherfahrungen teilzuhaben.

Regina Matthes

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