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Hat man – wie Alex Katz – das ein oder andere Jährchen auf dem Buckel, hat man schon so manche Modewelle hoch- und wieder runterschwappen gesehen und sich an verschiedenen Themen und Techniken abgearbeitet. Es lag also nahe, seine Ausstellung im Dortmunder U thematisch anzuordnen. Folgen wir ihr mal brav von Raum zu Raum.
Sein Künstlerleben lang ging es dem 1927 in New York geborenen Alex Katz niemals darum, mit seinen Bildern Geschichten zu erzählen – was ihn von den meisten anderen gegenständlichen Malern unterscheidet. Ihn interessierte, wie der Ausstellungstitel uns mitteilt, der „perfekte Augenblick“. Ob es sich dabei um die wenigen Minuten perfekten Lichts bei Sonnenuntergang oder schöne Menschen handelt, bei Katz sieht man stets nur makellose Oberflächen ohne psychologische Tiefe. Dass seine Bilder trotzdem nicht langweilig daherkommen, spricht für ihre Qualität!
Im Zentrum der Dortmunder Schau steht das druckgrafische Werk des Künstlers, der seit Mitte der 60er Jahre neben der Malerei auch in diesem Medium unterwegs ist. Viele seiner Grafiken entstanden nach Gemälden oder Teilen davon und verstehen sich als Kommentar oder Variation zur Ursprungsmalerei. Katz konnte auf diese Weise mit Licht- und Farbwirkung experimentieren oder auch dasselbe Motiv in unterschiedlichen Techniken umsetzen. Dabei spielte übrigens die Zusammenarbeit mit den jeweiligen Druckern eine große Rolle (wer je versucht hat, verbal eine Farbe zu beschreiben, kann sich vorstellen, wie wichtig hier Leute vom Fach sind).
Ein Markenzeichen von Alex Katz sind die sogenannten Cutouts, die ursprünglich nichts anderes waren als Figuren, die er aus ansonsten eher misslungenen Gemälden ausschnitt. Sein Künstlerkollege Robert Rauschenberg empfahl ihm, etwas damit zu machen, und so montierte Katz eine Figur auf Holz und schuf so die erste seiner berühmten zweidimensionalen Skulpturen, die später als Auflagenobjekte erschienen.
„Maximale Reduktion der Mittel“ könnte das Motto seiner Naturdarstellungen lauten. In der Beschränkung auf grobe Formen wird Katz' sensibler Umgang mit dem Licht erst richtig deutlich. Allein durch die Farbgebung entscheidet er, ob eine träg-heiße Mittagsstimmung oder die Atmosphäre eines frisch-windigen Sommertages transportiert wird. Immer wieder experimentiert Alex Katz mit den verschiedenen Techniken, kombiniert Siebdruck und Lithographie, druckt dasselbe Motiv in verschiedenen Farben und untersucht die unterschiedlichen Wirkungen, reduziert im Linolschnitt das Motiv auf die härtesten Kontraste.
Während es den meisten Porträtkünstlern darum geht, das Wesen des Porträtierten zu ergründen und darzustellen, geht es Alex Katz vor allem um Stil und (so subjektiv sie auch sein mag) Schönheit. Seine Figuren verströmen Glamour und sehen selbst dann noch gut aus, wenn sie eine Badekappe aufhaben. In manchen Arbeiten steht die Person sogar hinter dem Kleidungsstück zurück, wichtiger ist ihm zum Beispiel ein stylisher Hut, ein schicker Schal, ein elegantes Paar Schuhe. Die Porträtierten sind keine Charaktere im engeren Sinne, sondern Stilikonen ihrer jeweiligen Zeit. Er selbst formulierte es einmal so: „Ich falle immer auf die Schönheit rein.“ Die Gesichter erscheinen meist flach und kaum moduliert, manche Porträts bestehen lediglich aus einer Linie und einer monochromen Farbfläche.
Immer wieder porträtierte Katz Freunde und Familie und insbesondere seine Frau Ada. Doch auch diese Bilder haben eine seltsam unemotionale Ausstrahlung, denn Ada erscheint uns als – übrigens gänzlich alterslose – „American Beauty“. Im Laufe der Jahrzehnte kamen als einziges Zugeständnis an den Alterungsprozess eine einzelne Falte und eine graue Haarsträhne hinzu. Ansonsten sind die Klamotten der Gattin wichtiger als ihr Inneres, folgerichtig heißt eines ihrer wichtigsten Porträts schlicht „Red Coat“.
Als Ballettliebhaber gestaltete Alex Katz verschiedene Bühnenbilder und pflegte Freundschaften zu Tänzern und Choreografen. In Porträts fängt er auch hier wie bei einem Filmstill nur einen flüchtigen Moment ein. Erst durch die Zusammensetzung der Bilder zu einer Viererserie entsteht der Eindruck von Bewegung. Den Ballett-Titel „pas de deux“ gibt er einer Bildserie, auf der Paare sich in von ihnen selbst gewählter Pose aufstellen. Das mag für den Betrachter etwas über deren Verhältnis zueinander aussagen, Herrn Katz ging es einzig um gut gekleidete Paare, die einander berühren. Die Psychologie sei von alleine ins Bild gekommen, sagt er.
Alex Katz selber bezeichnet seine Landschaften als „allover“, also überall und lückenlos. Sie dehnen sich über den gesamten Bildraum einfach irgendwie aus, haben nicht Anfang und Ende. Vor lauter Wald sieht man den Baum nicht, nur ein Geflecht aus Licht und Schatten. Seine jüngsten Gemälde erscheinen abstrakt. Und doch sind es realistische Bilder, zum Beispiel von der Spiegelung eines Baumes auf einem See. Auf der Darstellung eines Ozeans ist der Horizont kaum zu erahnen. Auch hier bleibt er sich selber treu: Er zeigt die reine, perfekte Oberfläche.
BB
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